(ots) - Europas Krise, Chinas Chance
Das chinesische Schriftzeichen für "Krise" bedeutet bekanntlich
auch "Chance". Weil das Regime in Peking eine kluge
Wirtschaftspolitik betreibt, besucht Vizepremierminister Li jetzt
Europa. Die Gelegenheit ist günstig. Die Euro-Krise ist alles andere
als beigelegt. Europäische Politiker sind ratlos, sie finden seit
Monaten kein taugliches Rezept. Jetzt kommt Li zu Besuch und winkt
mit der Brieftasche. China könne doch mehr Anleihen überschuldeter
Staaten kaufen, sagt er. Das werden die Europäer gerne hören.
In Peking liegt möglicherweise tatsächlich der Schlüssel zur
Euro-Rettung. Mit ausreichend chinesischem Geld ließen sich die
Märkte schnell beruhigen. Die Staaten erhielten mehr Zeit, um ihre
Haushalte zu sanieren. Nur hat auch der gute Mensch von Peking leider
nichts zu verschenken. Als Gegenleistung fordert Li eine Öffnung der
europäischen Märkte. Zwar verspricht er auch neue
Investitionsmöglichkeiten in China. Es ist aber zweifelhaft, ob er
damit das Gleiche meint.
China will die Währungskrise nutzen und seine Position in Europa
ausbauen. Das könnte klappen. Spanien will Bahnhöfe und Flugsicherung
privatisieren. Der griechische Hafen Piräus ist schon in chinesischer
Hand. Man darf gespannt sein, was folgt. Europa wird chinesischer.
Die Krise der einen ist die Chance der anderen.
Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion
Telefon: 0541/310 207