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Im Windschatten des Diesel-Abgasskandals: Eine Million mangelhafte Austausch-Katalysatoren in deutschen Pkws und die Untätigkeit von Bundesverkehrsminister Dobrindt

ID: 1340788

(ots) - Bundesverkehrsministerium und Kraftfahrtbundesamt
ignorieren seit Jahren alle Hinweise und vorgelegte Gutachten über
Betrugs-Katalysatoren im Kfz-Teilehandel -
Sonder-Umweltministerkonferenz am Donnerstag soll Bundesregierung zum
Handeln auffordern - Qualitätsstandard "Blauer Engel-Katalysatoren"
soll zukünftig gesetzlicher Mindeststandard werden

Viele im freien Teilemarkt angebotene Austausch-Katalysatoren
überschreiten die gesetzlichen Abgasgrenzwerte bereits im Neuzustand
oder nach kurzer Einsatzdauer massiv. Dies belegen Untersuchungen des
TÜV Nord aus dem Jahr 2015 im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe
(DUH). Die derzeit im Fokus stehenden Stickoxid-Grenzwerte werden bei
vier von fünf getesteten Austausch-Katalysatoren ohne Blauen Engel
nicht eingehalten. Die DUH hatte das zuständige
Bundesverkehrsministerium (BMVI) zuletzt im Frühjahr 2015 auf diesen
Umweltskandal mangelhafter Katalysatoren aufmerksam gemacht. Jedoch
ist die Behörde bis heute untätig. Die DUH fordert von den am
Donnerstag in der Sonder-Umweltministerkonferenz zusammentretenden
Politikern den kurzfristigen Start einer funktionierenden
Marktkontrolle bei Katalysatoren und eine nationale, kurzfristige
Verschärfung der Abgasuntersuchung, um fehlerhafte Partikelfilter wie
unwirksame Katalysatoren im Rahmen der Endrohrprüfung identifizieren
zu können.

Bereits 2012 wurden das Bundesumwelt-, das
Bundesverkehrsministerium sowie das Umweltbundesamt detailliert über
mangelhaft wirksame Katalysatoren informiert. Auf Anregung der DUH
entwickelte das Umweltbundesamt das Umweltzeichen "Blauer Engel für
Austausch-Katalysatoren", das seit 2013 gültig ist. Es kennzeichnet
Katalysatoren, die nachweislich über mindestens 80.000 km eine
besonders gute Emissionsminderung sicherstellen. Gleichzeitig fordert
die DUH seitdem ein behördliches Einschreiten gegen Anbieter von




Betrugs-Katalysatoren.

"Es ist ein Skandal, dass das Verkehrsministerium auch dieses
Abgas-Problem ignoriert und dass das KBA bis heute eigene Nachtests
verweigert und nichts unternimmt. Wir fordern Hersteller von
Katalysatoren, Werkstätten sowie den Kfz-Teilehandel dazu auf,
ausschließlich entweder Blauer-Engel-Kats oder Originalersatzteile
der Fahrzeughersteller zu verkaufen und zu verbauen," sagt Jürgen
Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Die DUH schätzt, dass inzwischen etwa eine Million unwirksamer
Katalysatoren in deutschen Pkw verbaut wurden, die die
gesundheitsschädlichen Abgase kaum oder gar nicht mindern. So hat der
TÜV Nord in seiner Studie für die DUH (http://l.duh.de/mpt46) das
Emissionsverhalten von insgesamt acht Katalysatoren vor und nach
einer künstlichen Alterung untersucht. Darunter waren ein
Original-Austauschkatalysator des Fahrzeugherstellers, zwei
Austauschkatalysatoren mit dem Blauen Engel und fünf
Austauschkatalysatoren aus dem freien Teilehandel ohne den Blauen
Engel. Austauschkatalysatoren müssen auch nach 80.000 km die
gesetzlichen Emissionsstandards einhalten. Zwei baugleiche
Katalysatoren des britischen Herstellers EEC haben diese Grenzwerte
selbst im Neuzustand deutlich überschritten (http://l.duh.de/72p19).
Zwei andere untersuchte Katalysatoren schafften zwar den Test im
Neuzustand, fielen aber im gealterten Zustand durch.

"Alle bisherigen Nachfragen beim Bundesverkehrsministerium im
vergangenen Jahr blieben ohne Antwort," kritisiert Jürgen Resch das
Verhalten des Bundesverkehrsministeriums. Am 02. März 2016 forderte
die DUH Minister Dobrindt auf, endlich mitzuteilen, welche Schritte
er als zuständige Überwachungsbehörde ergriffen hat. Dieses Schreiben
blieb ebenso unbeantwortet wie eine nochmalige Nachfrage vom
23.03.2016. Bei dieser Anfrage ging es um den Stand des Austauschs
mit der britischen Zulassungsbehörde VCA, die für die Typgenehmigung
der besonders schlechten EEC-Kats im Test verantwortlich war. Die DUH
möchte erfahren, ob und wenn ja wann das BMVI in den vergangenen zehn
Monaten die VCA informiert hat und welche Antwort sie erhielt. Sollte
das Ministerium die offenen Fragen nicht fristgerecht beantworten,
wird die DUH die Beantwortung gemäß des Umweltinformationsgesetzes
vor Gericht einklagen.

Als klageberechtigter Umwelt- und Verbraucherschutzverband geht
die DUH nun systematisch gegen offensichtlich unseriöse Angebote vor
allem im Versandhandel vor. In einem Fall ist es ihr gelungen, die
Handelsplattform Ebay zur Beendigung eines Angebots eines beim
TÜV-Test durchgefallenen Katalysators zu bewegen. Die DUH hat mit
Ebay eine Zusammenarbeit zur Identifikation offensichtlich
minderwertiger Katalysatoren vereinbart und wird nach entsprechenden
Hinweisen der DUH nicht zweifelsfrei legale Produkte aus dem Angebot
verbannen.

Die DUH begrüßt, dass zwei Jahre nach Etablierung eines Blauen
Engels für Austausch-Katalysatoren bereits elf Hersteller und Händler
dieser Produkte in dem Industrie- und Handelskreis "Blauer Engel-Kat"
zusammenarbeiten und einen erhöhten Qualitätsstandard anbieten. "Der
deutsche Teilemarkt wird mit mangelhaften Produkten teilweise
überschwemmt und die überwiegend über das Internet verkauften
Billigprodukte gefährden nicht nur Mensch und Umwelt, sondern auch
tausende Arbeitsplätze in Handel und Industrie. Um diesem Problem zu
begegnen, haben wir die Initiative gegründet," sagt Philipp Schulte,
Sprecher Industrie- und Handelskreis Qualitätsstandard Blauer
Engel-Kat.

Informationen und Hintergründe:
Informationen zu den Aktivitäten und Forderungen der DUH rund um
Austauschkatalysatoren finden Sie unter: http://www.duh.de/5391.html



Pressekontakt:
Jürgen Resch, DUH-Bundesgeschäftsführer
030-2400867-0 | 0171 3649170 | resch(at)duh.de

Philipp Schulte | Sprecher Industrie- und Handelskreis
Qualitätsstandard Blauer Engel-Kat
02373 987-102 | 0163 2514242| Philipp.Schulte(at)hjs.com

DUH-Pressestelle:
Daniel Hufeisen | Ann-Kathrin Marggraf | Laura Holzäpfel
030 2400867-20 | presse(at)duh.de | www.duh.de
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Datum: 05.04.2016 - 10:30 Uhr
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