PresseKat - WAZ: Kluge Konsequenzen. Kommentar von Alexander Marinos zu den neuen Regeln

WAZ: Kluge Konsequenzen. Kommentar von Alexander Marinos zu den neuen Regeln

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(ots) - Es gibt so Sätze, mit denen man vermeintlich leicht
gute Argumente aushebeln kann. Zum Beispiel: "Hinterher ist man immer
klüger." In der Tat konnten es sich die allermeisten Menschen bis vor
wenigen Tagen kaum vorstellen, dass ein (Co-)Pilot absichtlich sein
Flugzeug abstürzen lässt, um sich umzubringen, und dabei den Tod
Unschuldiger billigend in Kauf nimmt. "Fassungslosigkeit" war darum
auch das Wort der Stunde. Wer aber nun, nach dem ersten Schock,
Vorschläge macht, die ein solches Szenario künftig noch
unwahrscheinlicher machen sollen, der handelt nicht besserwisserisch,
sondern verantwortungsbewusst. Hinterher klüger zu sein ist per se
nichts, für das man sich schämen oder beschimpfen lassen muss.
Hinterher klüger zu sein ist allemal besser, als resignativ von einem
"tragischen Einzelfall" zu sprechen und es dann dabei zu belassen.
Zwei Konsequenzen drängen sich nach dieser besonderen
Flugzeug-Katastrophe auf: Regelmäßige Psychotests sollten zum
Prüfungskatalog der Flugtauglichkeit gehören. Und es ist ausdrücklich
richtig, dass sich künftig auch im Cockpit deutscher Maschinen stets
zwei Menschen aufhalten müssen. Ob ein Flugbegleiter im Ernstfall
einen Selbstmordanschlag letztlich verhindern kann, lässt sich kaum
sagen. Sagen lässt sich aber, dass man jetzt nichts auslassen sollte,
was die Sicherheit gefühlt und auch tatsächlich erhöht - und sei es
auch nur geringfügig. Ein Restrisiko wird immer bleiben. Es aber
weiter einzugrenzen, nachdem man auf äußerst schmerzliche Weise etwas
dazugelernt hat, ist die Pflicht kluger Entscheidungsträger.



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Datum: 27.03.2015 - 18:49 Uhr
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