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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
Kalter Krieg
Unsinniges Gerede
CARSTEN HEIL

ID: 1132744

(ots) - Plötzlich ist es wieder da, das Gespenst in
Europa namens kalter Krieg. Es steht allerdings nicht mehr für den
Unterschied von Ideologien und Überzeugungen wie im 20. Jahrhundert,
sondern es steht für den Kampf um Macht, Einfluss und Bedeutung. Das
war vor 25 bis 60 Jahren zwar auch der Fall, aber ideologisch
untermauert ist die Auseinandersetzung um die Ukraine nicht. Der
Westen ist nach dem Niedergang der Sowjetunion und des gesamten
kommunistischen Machtbereiches zu forsch vorgegangen, hat Moskau zu
sehr gedemütigt, stellt der ehemalige sowjetische Staatschef Michail
Gorbatschow nun fest. Ganz falsch liegt er damit nicht. Staatliche
Hilfsprogramme und private Care-Pakete waren Anfang der 90er Jahre
nötig, um den Menschen in der zerfallenden UdSSR zu helfen. So weit
so gut, es gab ein menschliches Miteinander, Partnerschaft, zumindest
zwischen Deutschen und Russen. Darauf jedoch folgte die Offensive der
Politik. Der Westen rückte an Russlands Grenze vor. Immer mehr
Staaten aus der Ex-Sowjetunion traten - verständlicherweise - der EU
und der NATO bei. Aus Sorge vor einem wiedererwachenden Russland.
Dieses neue Machtgefüge gerät nun am Beispiel der Ukraine aus den
Fugen. Präsident Wladimir Putin versucht, Russland wieder neues
Gewicht, neue Macht zu geben. Und schon reden die alten Männer des
kalten Krieges wieder vom kalten Krieg: der ehemalige
US-Außenminister Henry Kissinger und Michail Gorbatschow. Das aber
ist gefährlich und übertrieben. Durch solche Gedanken und Reden
verhärtet sich die Konfrontation. Daran richtig ist freilich, das ein
Gleichgewicht geschaffen werden muss. Dieser Begriff ist das
Geheimnis. Aber das Gleichgewicht muss durch Gespräche und
Verhandlungen, nicht durch Rüstung, Kämpfe und Drohgebärden
hergestellt werden. Es darf auch nicht mehr das Gleichgewicht des
Schreckens sein, sondern das Gleichgewicht in Partnerschaft. Das ist




ein anderes Gleichgewicht als das des kalten Krieges. Da Worte
Realität beeinflussen, sollten sie wohl gewogen werden. Die alten
Männer der Politik haben sicher ihre Verdienste, aber mit solchen
Worten heizen sie den kalten Krieg erst an. Sie sollten besser
schweigen.



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Datum: 09.11.2014 - 20:40 Uhr
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