Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Ukraine und Russland
Warnung vor Kraftmeierei
BERNHARD HÄNEL

ID: 1101209

(ots) - Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine
gewinnt täglich an Geschwindigkeit. Noch ziehen es die Politiker vor,
von einem Bürgerkrieg zu sprechen; wahrscheinlich nur, weil sich
niemand traut, das Wort Krieg in den Mund zu nehmen für die stetige
Eskalation im Osten der Ukraine. Spätestens seit die Kiewer Militärs
gefangene russische Soldaten vor laufenden Kameras präsentierten,
muss jedermann klar sein: Dieser Konflikt ist zum Krieg geworden und
nicht länger eine "innerukrainische Angelegenheit", wie Präsident
Putin ständig wiederholt. Ohne seine Unterstützung hätten die
Separatisten längst aufgeben müssen, wahrscheinlich hätte es sie nie
gegeben. Viele ihrer führenden Köpfe sind Russen, denen beste
Beziehungen zum russischen Geheimdienst und Militär nachgesagt
werden. Alle bisherigen Versuche, Russland zurück auf den Pfad des
Völkerrechts zu führen, sind gescheitert. Vom jüngsten Gipfel in
Minsk ist nur ein Händedruck geblieben. Und so beginnt sich das
Karussell in Kiew, Brüssel und Washington schneller zu drehen. Kiew
verlangt nach westlichen Waffen, manche wünschten sich noch erheblich
mehr vom westlichen Verteidigungsbündnis und der Europäischen Union.
Wieder andere, vornehmlich im Westen, wollen die Sanktionsschrauben
gegen Moskau weiter anziehen, wohlwissend, dass nationale Interessen
einzelner Partner dem entgegenstehen. Die Bundesregierung macht bei
dem verbalen Säbelrasseln nicht mit. Aus gutem Grund. Je größer die
Daumenschrauben werden, die einzelne westliche Staatsmänner zum
Einsatz zu bringen fordern, umso deutlicher erkennbar wird die
Zerrissenheit des Westens. Über kurz oder lang könnte dies zu tiefen
Brüchen in der westlichen Gemeinschaft führen, die später nur schwer
zu kitten wären. All die Kraftmeier, die stetig verbal aufrüsten,
seien an die Klugheit Otto von Bismarcks erinnert. Der Eiserne




Kanzler, Gastgeber und Makler des Berliner Balkan-Kongresses (1878),
suchte sich aus den Händeln der Stämme "da unten" herauszuhalten.
"Der Balkan ist mir nicht die gesunden Knochen eines einzigen
pommerschen Grenadiers wert", sagte er. Heute gilt dies für Briten,
Franzosen und Amerikaner gleichermaßen.



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Datum: 28.08.2014 - 20:10 Uhr
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