PresseKat - Schwäbische Zeitung: Zu Papst Franziskus: Der Zauber der Ohnmacht

Schwäbische Zeitung: Zu Papst Franziskus: Der Zauber der Ohnmacht

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(ots) - Jetzt hat er wieder mal überrascht, dieser
Papst Franziskus. "Zwei, drei Jahre, und dann geht es ins Haus des
Herrn" - womit der Rummel um seine Person auch ein Ende habe. Da
spricht einer ganz entspannt, offen und klar über das absehbare Ende
seiner Lebenszeit. Dass er wie sein Vorgänger als Papst zurücktreten
wolle, wenn die Kräfte schwinden, hat er früher schon angedeutet - in
dieser Direktheit allerdings noch nie ausgesprochen. Es ist eines
seiner Markenzeichen: das direkte, ungekünstelte Wort bei jeder sich
bietenden Gelegenheit. Selbstverständlich würde er sofort gerne nach
China reisen, hat er auf dem Flug von Korea nach Rom verraten. Und
beim notwendigen "Stoppen" der islamistischen Terrorbande
"Islamischer Staat" sieht er primär die Vereinten Nationen in der
Pflicht. Einen "Weltkrieg in Folgen" diagnostiziert Franziskus in
diesem Zusammenhang.

Oft ist in unterschiedlichen Zusammenhängen von der Macht der
Worte die Rede. Wenn der US-Notenbankchef höhere Zinsen ankündigt,
purzeln an den Börsen die Kurse. Wenn Putin in lapidaren Sätzen seine
Völkerrechtsverachtung und Kriegstreiberei verharmlost, hört man die
gewalttätige Macht dieser Worte - falls man sie nicht lieber
überhören möchte. Welche Macht aber haben die Worte des Papstes? Die
Antwort fällt zunächst ernüchternd aus: Man hört diesen Mann,
allerdings nicht in dem Sinne, dass man auf ihn hören würde. Eine
direkte Wirkung haben seine Worte und Gesten nicht. Der Papst wird
auch diverse, viel zu hoch geschraubte Erwartungen und Hoffnungen
enttäuschen - nicht zuletzt bei der Fraktion der deutschen
Reformkatholiken.

Und dennoch: Gerade von der realpolitischen Ohnmacht seiner Worte
geht ein Zauber aus. Dieser Franziskus wird weit über die katholische
Welt hinaus gehört. Sehr viele Menschen spüren, dass da einer das




Richtige sagt. Er ist ebenso wie seine Vorgänger eine globale
moralische Autorität. Und das lässt der Hoffnung Raum, dass seine
Worte eben mittel- und langfristig nicht nur in den Wind gesprochen
sind.



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Datum: 19.08.2014 - 21:00 Uhr
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