PresseKat - Badische Zeitung: Mehr Licht als Schatten: 20 Jahre ist die Bahnreform jetzt her und noch immer gibt

Badische Zeitung: Mehr Licht als Schatten: 20 Jahre ist die Bahnreform jetzt her und noch immer gibt es viel zu tun - Kommentar von Wolfgang Mulke

ID: 1000629

(ots) - Vor 20 Jahren wurde aus den beiden
Staatsbetrieben Bundesbahn (West) und Reichsbahn (Ost) die Deutsche
Bahn AG. ├ťber den Erfolg dieser Weichenstellung gehen die Meinungen
auseinander. Doch n├╝chtern betrachtet gibt es mehr Licht als
Schatten. Die Bahn sollte mit der Reform wirtschaftlich arbeiten
d├╝rfen und dem Steuerzahler nicht mehr auf der Tasche liegen.
Au├čerdem hoffte der Bund als Eigent├╝mer auf einen steigenden
Marktanteil des Schienenverkehrs gegen├╝ber der Stra├če. Die Rechnung
ist nicht aufgegangen. Noch immer muss der Verkehrsminister j├Ąhrlich
viele Milliarden Euro f├╝r den Bahntransport ausgeben. Die L├Ąnder
erhalten Geld f├╝r den Nahverkehr, die Bahn selbst f├╝r die
Instandhaltung des Netzes und den Neubau von Trassen. Auch ist der
Marktanteil der Schiene nicht wie erwartet in die H├Âhe geschnellt.
Stattdessen hat das Unternehmen das Angebot an Verbindungen
insbesondere in der Fl├Ąche deutlich eingeschr├Ąnkt. So gesehen
dominiert zun├Ąchst der Schatten die Szene. Ein Blick zur├╝ck auf die
Zeit vor der Reform er├Âffnet jedoch eine andere Sichtweise. Die
Beamtenbahn hatte einen Schuldenberg von 34 Milliarden Euro
angeh├Ąuft. Der Jahresverlust lag allein 1993 bei acht Milliarden
Euro. Die Bahn fuhr zwar ├╝berall hin, doch oft mit fast leeren Z├╝gen.
Der Kunde hie├č Bef├Ârderungsfall. Und so wurden Fahrg├Ąste auch
behandelt, von schmutzigen Bahnh├Âfen und ├╝beralterten Z├╝gen ganz zu
schweigen. Auch Versp├Ątungen gab es schon vor der Reform. Der
G├╝tertransport hatte sich weitgehend auf den Lastwagen verlagert. An
dieser Ausgangslage muss die Reform auch gemessen werden, dann f├Ąllt
das Urteil g├╝nstiger aus. Der zentrale Pfeiler der Reform war die
Umwandlung der Staatsbahn in ein privatwirtschaftliches Unternehmen,
das Gewinne machen soll. Allerdings wurde nie richtig deutlich, wozu
diese Gewinne denn dienen sollen. Der fr├╝here Bahnchef Hartmut




Mehdorn interpretierte dies in seiner Weise. Es wurde zu Lasten der
Kunden und des Netzes gespart, um aus der Bahn einen internationalen
Logistikriesen zu schmieden. Die Nachwirkungen unterlassener oder zu
sp├Ąt erfolgter Investitionen in den heimischen Zugverkehr sp├╝ren die
Fahrg├Ąste noch immer. Die Politik wollte die Bahn sich selbst
├╝berlassen. Das tat sie aber nur dort vereinzelt, zum Beispiel bei
den Ausgaben f├╝r das sanierungsbed├╝rftige Netz. Ein instandgesetztes
Gleis bringt keine sch├Ânen Fernsehbilder wie die Einweihung einer
Neubaustrecke. Auch deshalb ist der Sanierungsbedarf heute riesig.
K├╝nftig muss der Bund als Eigent├╝mer klarstellen, was die Bahn
leisten soll, damit es eine Messlatte f├╝r deren Erfolg gibt. Und er
muss sich seiner finanziellen Verantwortung f├╝r das Netz stellen.
Perfekt wird die Bahn nie sein, aber besser kann sie werden. So
schlecht wie ihr Ruf ist die Bahn ohnehin nicht. Dagegen spricht der
Passagierrekord, der 2012 erreicht wurde.



Pressekontakt:
Badische Zeitung
Anselm Bu├čhoff
Telefon: 07 61 - 4 96-0
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Datum: 30.12.2013 - 18:29 Uhr
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