(ots) - Der 35-jährige Fensterbauer André hat zwei Kinder
daheim in Sachsen, eines ist erst drei Wochen alt. Für André gibt es
in der Gegend wenig Einsatzmöglichkeiten. Daher sind er und seine
Arbeitskollegen zurzeit als Fensterbauer in Niedersachsen unterwegs.
Sie können aber auch andere Jobs ausführen: Vom Landschaftsbau bis
zur Restauration antiker Uhren erledigen sie alles und sind immer
bereit, der Arbeit hinterherzureisen. Sie wohnen im Dreibettzimmer,
zurzeit in einem Arbeiterhotel an einer deutschen Autobahn. Weil es
billiger ist, nehmen sie ihre Wochenverpflegung von daheim mit. Da es
nicht einmal einen Schrank im Zimmer gibt, befindet sich ihr "ganzes
Leben" in Koffern unter dem Bett. Andreas K. kennt seit Jahrzehnten
Hotelzimmer und Gastwohnungen. Gerade arbeitet er in einem
Pendlerhotel an der Autobahn, dessen 60 Betten meistens belegt sind.
Andreas hatte einen guten Job auf Sylt, musste die Insel aber
verlassen, weil er trotz eines guten Gehalts kaum die hohe Miete
bezahlen konnte. So sucht er weiter nach einer Heimat - unterwegs mit
seinem Koffer, wie Dutzende Gäste, die täglich im Autobahn-Motel
ankommen oder abfahren. Die Zeiten, in denen Menschen von der Lehre
bis zum Renteneintritt in einem Betrieb beschäftigt waren, sind
vorbei. In den Familienberatungsstellen der Kirchen stehen Pendler
an. Aus dem Koffer zu leben, steigert den Druck: Am Wochenende
daheim wird der Pendler schnell zum Gast in den eigenen vier Wänden.
Wer nicht riskieren will, arbeitslos zu werden, packt Sonntagabend
seinen Koffer und verlässt die Familie bis zum nächsten Wochenende.
So kreuzen sich in der Nacht von Sonntag auf Montag an
Autobahnraststätten die Wege hunderttausender Arbeitsnomaden.
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