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Wehrbeauftragter Robbe: 'Es geht um die Gesundheit und das Leben der Soldaten' / Weiterhin Defizite bei Ausstattung und im SanitÀtsdienst

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Wehrbeauftragter Robbe: "Es geht um die Gesundheit und das Leben der Soldaten" / Weiterhin Defizite bei Ausstattung und im SanitÀtsdienst

(pressrelations) - Vorabmeldung zu einem Interview in der nĂ€chsten Ausgabe der Wochenzeitung „Das Parlament“

Nach EinschĂ€tzung des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages, Reinhold Robbe, hat das Verteidigungsministerium „durchaus spĂŒrbare Anstrengungen unternommen, um die Ausstattung mit gepanzerten Fahrzeugen und mit persönlicher SchutzausrĂŒstung fĂŒr die Soldaten in den AuslandseinsĂ€tzen zu verbessern“. Allerdings kritisiert Robbe im Interview mit „Das Parlament: „Aber Defizite gibt es nach wie vor bei der Bereitstellung einer ausreichend großen Anzahl von gepanzerten Fahrzeugen in den Ausbildungsstandorten in Deutschland.“ Dies seien sehr sensible Bereiche, weil es hier um die Gesundheit und letztlich das Leben der Soldaten ginge.

Neben mangelnder Ausstattung warnt Robbe deutlich vor Personalmangel im SanitĂ€tsdienst der Bundeswehr: „Ich sage ganz offen, dass mir der derzeitige Zustand der gesamten SanitĂ€t in der Bundeswehr grĂ¶ĂŸte Sorgen bereitet. Das hĂ€ngt in erster Linie mit dem fehlenden Personal zusammen, aber auch mit den Strukturen.“ Das Personal sei ĂŒber alle Maßen belastet, weil wegen der dĂŒnnen Personaldecke die SanitĂ€tssoldaten immer hĂ€ufiger in AuslandseinsĂ€tze geschickt wĂŒrden.

Insgesamt mĂŒsse die Bundeswehr schneller vorankommen, „um fĂŒr sich in Anspruch nehmen zu können, ein moderner Arbeitgeber zu sein.“ Robbes Forderung: „Die Bundeswehr muss gewaltige Anstrengungen unternehmen, um mit Blick auf die berufliche Karriere und auf die Vereinbarkeit von Familie und Dienst attraktiver zu werden.
Am Donnerstag, 26. MĂ€rz, ĂŒberreicht Robbe den Wehrbericht an BundestagsprĂ€sident Norbert Lammert.

Das Interview im Wortlaut:

Die mangelnde AusrĂŒstung der Bundeswehr mit gepanzerten Fahrzeugen war einer von mehreren Kritikpunkten in ihrem letzten Jahresbericht. Hat sich die Situation in den vergangenen zwölf Monaten gebessert?

Von Seiten des Verteidigungsministeriums wurden durchaus spĂŒrbare Anstrengungen unternommen, um die Ausstattung mit gepanzerten Fahrzeugen und mit persönlicher SchutzausrĂŒstung fĂŒr die Soldaten in den AuslandseinsĂ€tzen zu verbessern. Das sind sehr sensible Bereiche, weil es hier um die Gesundheit und letztlich das Leben der Soldaten geht. Aber Defizite gibt es nach wie vor bei der Bereitstellung einer ausreichend großen Anzahl von gepanzerten Fahrzeugen in den Ausbildungsstandorten in Deutschland, damit die Soldaten auf ihre EinsĂ€tze adĂ€quat vorbereitet werden können.





Sie sprechen die Gesundheit der Soldaten an. Gerade in diesem Bereich scheint es aber Probleme wegen Personalabwanderungen zu geben: Im Dezember 2008 zitierten sie vor dem Bundestag die Aussagen von SanitĂ€tssoldaten, die selbst die neuen ZuschlĂ€ge fĂŒr Ärzte als „unĂŒberlegten Schnellschuss“ bezeichnet haben. Jammern die Soldaten zu viel?

Die Soldaten klagen – und sie klagen aus meiner Sicht zu Recht. Ich sage ganz offen, dass mir der derzeitige Zustand der gesamten SanitĂ€t in der Bundeswehr grĂ¶ĂŸte Sorgen bereitet. Das hĂ€ngt in erster Linie mit dem fehlenden Personal zusammen, aber auch mit den Strukturen. Das Personal ist ĂŒber alle Maßen belastet, weil wegen der dĂŒnnen Personaldecke die SanitĂ€tssoldaten immer hĂ€ufiger in AuslandseinsĂ€tze geschickt werden. Das erzeugt Unzufriedenheit. Und durch den Beschluss im vergangenen Jahr, nur bestimmten SanitĂ€tsĂ€rzten eine Zulage zu zahlen, ist die Unzufriedenheit nicht geringer geworden. Das gilt auch fĂŒr den Fliegerischen Dienst. Lediglich die Angehörigen der Flugbereitschaft bekommen diese Zulage. Aber alle anderen Piloten, auch das ĂŒbrige Flugpersonal im Cockpit, erhalten keine Zulagen und sind entsprechend unzufrieden. Bei mir tĂŒrmen sich zu diesem Punkt die Eingaben von Soldaten. Hier muss schnell nachgebessert werden.

Sie haben im vergangenen Jahr ein Gesamtpaket von Maßnahmen gefordert, um den Dienst in der Truppe attraktiver zu machen. Ist ein solches Paket in Sicht?

Es ist ein bunter Strauß von Notwendigkeiten, die erfĂŒllt werden mĂŒssen, um die Bundeswehr insgesamt attraktiver zu machen. Vielen ist offensichtlich nicht bewusst, dass sich die AttraktivitĂ€t vieler Zivilberufe in den vergangenen Jahren wesentlich verbessert hat. Deshalb wĂ€gt heute jeder junge Mensch genau ab, ob er in die Bundeswehr eintritt. Und somit muss die Bundeswehr gewaltige Anstrengungen unternehmen, um mit Blick auf die berufliche Karriere und auf die Vereinbarkeit von Familie und Dienst attraktiver zu werden. Aus meiner Sicht muss die Bundeswehr schneller vorankommen, um fĂŒr sich in Anspruch nehmen zu können, ein moderner Arbeitgeber zu sein.

Das heißt, Bundestag und Bundesregierung reagieren zu langsam auf diese Anforderungen?

Hier ist das zustĂ€ndige Ministerium gefragt. Das beziehe ich nicht nur auf die politische FĂŒhrung, sondern auch auf die militĂ€rische. Wir brauchen eine engere Verzahnung zwischen den TeilstreitkrĂ€ften, um zu einheitlichen Lösungen zu kommen. Ich habe manchmal den Eindruck, dass innerhalb von Heer, Marine, Luftwaffe und SanitĂ€t die Probleme zu isoliert betrachtet werden.

BefĂŒrchten Sie, dass die Bundeswehr zu einer Armee der gesellschaftlichen „underdogs“ wird, wie dies in anderen LĂ€ndern zu beobachten ist?

Nein, im Augenblick sehe ich diese Gefahr ĂŒberhaupt nicht. Aber wir mĂŒssen erkennen, dass die Bundeswehr einen hohen Anspruch hat. Wir haben bestimmte Standards in der Bundeswehr: etwa bei der Unterbringung, der Verpflegung und den sonstigen Rahmenbedingungen. Und in einigen Bereichen sind diese Standards leider ins Rutschen gekommen. Es mĂŒssen jetzt schnell Lösungen gefunden werden, die fĂŒr die Soldaten ĂŒberzeugend sind.

BefĂŒrchten Sie einen GlaubwĂŒrdigkeitsverlust fĂŒr ihr Amt unter den Soldaten, wenn Sie die Probleme zwar Jahr fĂŒr Jahr anmahnen, sie aber nicht befriedigend gelöst werden?

Ich kann keinen GlaubwĂŒrdigkeitsverlust in der Truppe feststellen. Ich glaube vielmehr, dass ich bei den Soldaten einen großen RĂŒckhalt habe. Die Soldaten wissen, dass in finanziell schwierigen Zeiten, Abstriche von ihren berechtigten Forderungen gemacht werden mĂŒssen. Aber die Soldaten wissen auch, dass einige Probleme schneller gelöst werden könnten - und zwar auch ohne zusĂ€tzliche Finanzmittel. Zum Beispiel die ausufernde BĂŒrokratie. Auch das beklage ich seit einigen Jahren. Aber ich kann nicht erkennen, dass hier wirkliche Anstrengungen unternommen wurden, um dies zu Ă€ndern.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Ich habe vor zwei Jahren durchaus mit Erfolg die Sanierung von Kasernen insbesondere in den alten BundeslĂ€ndern eingefordert. Aber es reicht nicht aus, dass nur mehr Geld zur VerfĂŒgung gestellt wird. Auch die bisherige Art und Weise, wie in der Bundeswehr gebaut und wie Kasernen saniert werden, entspricht nicht den Anforderungen einer modernen Armee. Wir brauchen dringend andere Formen der Zusammenarbeit zwischen Truppe, Wehrverwaltung und staatlicher Bauverwaltung. Das ist nicht die Schuld der Soldaten, das Problem liegt in erster Linie bei der öffentlichen Verwaltung.

Von Seiten der SPD und der GrĂŒnen wurde die Forderung erhoben, den Wehrbeauftragten mit zusĂ€tzlichen Rechten auszustatten. VerfĂŒgen Sie nicht ĂŒber die nötigen Rechte, um Ihre Arbeit zu machen?

Das kann man pauschal so nicht sagen. Die Grundlagen meiner Arbeit sind direkt vom Grundgesetz abzuleiten und sind in einem Bundesgesetz geregelt. Das gibt mir große Handlungsmöglichkeiten, um die StreitkrĂ€fte zu kontrollieren. Aber es gibt Notwendigkeiten, die sich aus dem Umstand ergeben, dass die Bundeswehr eine Einsatzarmee ist, die in allen Teilen der Welt agiert. Und hier stelle ich hin und wieder fest, dass ich hinsichtlich der personellen und strukturellen Ausstattung des Amtes an Grenzen stoße.

Das bedeutet konkret?

Nach meinem Amtsantritt habe ich festgestellt, dass es notwendig ist, den Truppenbesuchen PrioritĂ€t einzurĂ€umen. Ich habe sie quantitativ ausgeweitet und mache sie in der Regel auch nur noch unangemeldet. Die Vor- und Nachbereitung dieser Besuche erfordert jedoch viel „manpower“. Deswegen habe ich zwischenzeitlich ein zusĂ€tzliches Referat fĂŒr die Truppenbesuche und weitere Aufgaben eingerichtet.

Der GrĂŒnen-Abgeordnete Winfried Nachtwei mahnte an, dass die Kontrolle bei geheimen EinsĂ€tzen der Bundeswehr „minimal“ sei. Werden Sie nicht ausreichend und rechtzeitig ĂŒber solche EinsĂ€tze informiert?

Ich werde informiert, wenn ich danach frage. Nach dem Gesetz mĂŒssen mir alle Informationen, die ich als relevant betrachte, zugĂ€nglich gemacht werden. Aber das muss ich einfordern. Ich kann mir sicherlich auch eine Art Bringpflicht der Regierung vorstellen. Auch das ist ein Punkt, den ich zusammen mit dem Verteidigungsausschuss erörtere.

Dieses Jahr wird das Ehrenmal fĂŒr die im Einsatz getöteten Soldaten im Bendlerblock, dem Amtsitz des Verteidigungsministers in Berlin eingeweiht. Sind Sie vom Parlament enttĂ€uscht, dass es sich nicht dezidiert fĂŒr einen Standort in NĂ€he des Reichstages ausgesprochen hat?

Nicht vom Parlament. Es haben sich ja verschiedene Abgeordnete fĂŒr einen Standort in ReichstagsnĂ€he ausgesprochen. Und mir gegenĂŒber haben auch die Soldaten ausnahmslos den Wunsch nach einem prominenten Standort in der NĂ€he des Deutschen Bundestages geĂ€ußert.


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Datum: 23.03.2009 - 14:41 Uhr
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