(ots) - Er ist der einzige Politiker, der in zwei
Bundesländern Ministerpräsident war, in Rheinland-Pfalz und in
Thüringen. Und er war der erste CDU-Landesvorsitzende, der von seiner
eigenen Partei auf einem Parteitag gestürzt wurde. Jetzt wird
Bernhard Vogel 80 Jahre alt. Anlass für das SWR Fernsehen, in seiner
historischen Film-Reihe "Bekannt im Land" am 16.12. um 18.45 Uhr ein
30-minütiges Porträt des Speyerer Politikers zu senden. Darin kommen
sein Bruder, der ehemalige SPD-Bundesvorsitzende Hans-Jochen Vogel,
seine Freunde und Weggefährten wie Georg Gölter und Karl Kardinal
Lehmann und seine Herausforderer wie Klaus von Dohnanyi und Theo
Zwanziger zu Wort, aber auch der ehemalige Bodyguard Vogels, Bruno
Palzer, und seine langjährige Haushälterin, Franziska Kuhn.
"Bekannt im Land" zeichnet anhand von historischen Aufnahmen
Vogels politische Anfänge in den 60er und seinen Aufstieg in den 70er
Jahren nach: wie er von seinem ehemaligen Kommilitonen Helmut Kohl
von der Universität Heidelberg in die rheinland-pfälzische CDU geholt
und Kultusminister wird, wie er 1974 gegen den ausdrücklichen Wunsch
Kohls gegen Heiner Geißler um den CDU-Landesvorsitz kandidiert - und
wie er zwei Jahre später erneut gegen Kohls Willen als sein
Nachfolger als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz antritt. Ein
Film-Kapitel beleuchtet die Abwahl Vogels auf dem CDU-Landesparteitag
1988 in Koblenz: Ausschnitte des damaligen SWF-Fernsehens belegen,
dass es bereits im Frühjahr 1982 erste Anzeichen des heraufziehenden
Machtkampfs zwischen Vogel und dem damaligen
CDU-Fraktionsvorsitzenden Hans-Otto Wilhelm gab. "Vogel hat die
Diskussion in der Partei und die Stimmungsentwicklung in der Fraktion
sicher ein Stück und recht lang unterschätzt", urteilt sein Freund,
der ehemalige Kultusminister Georg Gölter heute. Eine Mitschuld an
Vogels Sturz gibt Gölter auch Helmut Kohl, dem damaligen
CDU-Bundesvorsitzenden. "Er hat für Bernhard Vogel nichts getan, und
es ist ganz klar, dass Hans-Otto Wilhelm das gespürt hat." Kardinal
Lehmann, der Vogel seit den 60er Jahren aus dem Zentralkomitee der
Deutschen Katholiken (ZdK) kennt, empfindet den Sturz von Vogel durch
seine eigene Partei bis heute als "niederträchtig".
Vogel gibt sich heute selbstkritisch: "Ich habe mir die
Vorbereitung und die Durchführung der Revolte nicht vorstellen
können", sagt er in der SWR-Dokumentation. "Ich war deswegen viel zu
gutgläubig und viel zu naiv." Dass Vogel 1992 Ministerpräsident von
Thüringen wurde, sei der "größte Glücksfall in seinem Leben" gewesen,
meint Gölter. Die großen Erfolge Thüringens, der Gewinn der absoluten
Mehrheit 1999, all das habe die Wunden von Koblenz 1988 zum Teil
geschlossen, meint Kardinal Lehmann. Vogel selbst sagt dazu nur so
viel: "Es gibt den sehr zutreffenden Satz: Wunden heilen, Narben
bleiben."
"Bekannt im Land: Bernhard Vogel - Ein Leben für die Politik",
Film von Marcel Schilling, 16. Dezember 2012, 18.45 Uhr, SWR
Fernsehen für Rheinland-Pfalz
Pressekontakt: Wolf-Günther Gerlach, Tel.: 06131 929-33293,
wolf-guenther.gerlach(at)swr.de