(ots) - Freitag, 12. Oktober 2012, 0.45 Uhr
Das Wunder von Europa
Vom Schlachtfeld zur Union
Film von Stefan Brauburger
Blickt man auf aktuelle Europa-Stimmungsbilder, scheint alles
überschattet von der Angst um den Euro. Dass Mitte des 20.
Jahrhunderts einige europäische Staaten (die Bundesrepublik
Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, die Niederlande und
Luxemburg) ihre Gemeinschaft auf eine neue Grundlage stellten, dass
daraus später die Europäische Union wurde; dass es sich von Anfang an
nicht nur um eine wirtschaftliche, sondern auch eine politische
Wertegemeinschaft handelte, die sich der Freiheit, dem Frieden und
der sozialen Gerechtigkeit verpflichtet fühlt, rückt weit in den
Hintergrund der Wahrnehmung. Einst waren es sechs Staaten, inzwischen
sind es 27. Damals war es eine Gemeinschaft des Westens. Nach dem
Mauerfall sorgte der Wind des Wandels für eine zweite große
Beitrittswelle, längst zählen auch Mitglieder des ehemaligen
Ost-Blocks dazu.
Die Dokumentation wählt zum Anlass des Friedensnobelpreises eine
historische Flughöhe. Die Gründungszeit wird als Wendepunkt
gewürdigt, vor dem Hintergrund einer dramatischen europäischen
Vorgeschichte.
Dass nach den schlimmsten Vernichtungskriegen der
Menschheitsgeschichte ehemalige Gegner den Entschluss fassten, Teile
nationaler Souveränität abzugeben, um sich einer gemeinsamen Sache zu
verschreiben, markiert die fundamentale historische Wende in der
Mitte des 20. Jahrhunderts: vom Schlachtfeld zum Friedenswerk. Dass
diese Union nach weiteren Jahrzehnten Kalten Krieges auch die
Kontrahenten des Ost-West-Konflikts aufnahm, ist eine Fortsetzung der
erstaunlichen Entwicklung.
In mehreren Kapiteln spiegelt die Sendung, wie Europa zum
ständigen Kriegsschauplatz wurde und wie Versuche, Frieden zu
schaffen, immer wieder scheiterten, wie imperiale, dynastische und
nationale Konflikte seit der Ära Karls des Großen den Kontinent
prägten und wie schließlich nach dem Zweiten Weltkrieg bei den
Staaten die Überzeugung reifte, auf eigene Macht zu verzichten, um
mit den Bau eines geeinten Europa zu beginnen, dem sich immer mehr
Völker anschließen.
Freitag, 12. Oktober 2012, 1.15 Uhr
Let's Talk Yourope - wie geht es dem jungen Europa?
Dokumentation über den Zustand der 27 Mitgliedsländer
Film von Katrin Sandmann
Die Generation Yourope hat das Wort: 27 Europäer aus 27 Nationen
werden fast zeitgleich in ihren Ländern zur aktuellen Lage Europas
befragt. Blogger, Studenten, Unternehmer, Journalisten,
Berufseinsteiger und andere. Menschen unter 35, die sich aktiv für
das Zeitgeschehen interessieren. Sie liefern uns eine Momentaufnahme
des Kontinents. Was denken sie über das vereinte Europa? Was erhoffen
sie sich von ihm? Was muss die Gemeinschaft jetzt für sie tun? Wie
stehen sie zueinander, was verbindet sie? Welche Ängste und welche
Träume teilen sie? Wie sehen sie ihre Zukunft?
Dienstag, 20. November 2012, 22.15 Uhr
37°
"Du bist mein Ein und Alles"
Pflege zwischen Liebe und Bankrott
Langzeitbeobachtung von Bodo Witzke
Es gibt seltene Momente des vollkommenen Glücks, wenn der demente
Wilfried B. mit seiner Frau Gabriele "tanzt" zum Beispiel. Dann spürt
jeder, wie die beiden sich verstehen, welche Nähe zwischen dem schwer
dementen Mann und seiner Frau immer noch da ist. Dabei kann Wilfried
schon lange nicht mehr sprechen und auch nicht mehr gehen, geschweige
denn richtig tanzen. Aber wenn sich die Hände von Wilfried und
Gabriele berühren, während die Musik spielt, dann nimmt er ihre Hand
und führt sie im Rhythmus der Musik, und sie lässt sich führen, wie
früher.
Diese Momente des Glücks, des gegenseitigen Verstehens, sucht
Gabriele B. immer wieder, während sie ihren Mann über Jahre
unermüdlich zu Hause pflegt, zusammen mit der Nachbarin Elli. Ohne
Humor und Lachen könnten die beiden das nicht machen, da sind sie
sich einig, wenn sie abends ihr "Damen-Bier" zusammen trinken,
nachdem sie mit ihren jeweils zarten 60 Kilo den unbeweglichen
90-Kilo-Mann ins Bett gehoben haben.
Die beiden Frauen sind hart im Nehmen und müssen es auch sein,
weil der große Mann auf Grund seiner besonderen Demenzform manchmal
um sich schlägt. Davon lassen sie sich nicht abschrecken. In den
Jahren der Pflege spitzt sich die Situation immer wieder zu, aber
Gabriele B. findet Lösungen. Das Konto ist dicht, weil sie die
laufenden Kosten für Haus und Pflege nicht bezahlen kann, sie hat
Angst vor der Zwangsversteigerung des Hauses. Sie findet eine
Geldquelle, aber nur für zirka ein Jahr, und danach geht alles wieder
von vorne los. Schwer ist die Entscheidung, ob es den Zeitpunkt gibt,
an dem sie ihren Mann "natürlich" sterben lässt, weil er aufgehört
hat zu schlucken, oder ob sie sich für eine künstliche Ernährung
entscheiden soll. "Er will noch leben, er war ein Kämpfertyp", sagt
sie. Sie zeigt das Video, wie er große Werbepartys mit Hunderten von
Leuten geschmissen hat. In ein Heim will sie ihn nicht geben, denn
sie hat schlechte Erfahrung mit Institutionen gemacht. Sie ist sich
sicher: "In einem Heim wäre mein Mann schon lange tot. Kein
Pflegedienst in Deutschland kann den aktivierenden Pflegeaufwand
treiben, den ich treibe." Sie kämpft um möglichst viele Momente des
Glücks mit ihrem Mann, die letztlich zählen und für die Gabriele
alles tun will, egal welche Widerstände es gibt.
Drei Jahre lang beobachtete der Filmemacher Bodo Witzke eine
ungewöhnliche Frau und ihren dementen Mann. "37°" schildert an einem
markanten Fall den enormen psychischen und finanziellen Druck auf
pflegende Angehörige und zeigt die große Kraft, mit der sie sich um
Angehörige kümmern. Es ist eine Arbeit und ein Engagement, das die
Gesellschaft noch immer unterschätzt, denn sonst gäbe es eine
stärkere Unterstützung und Anerkennung von pflegenden Angehörigen.
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