(ots) - Sonntag, 18. November 2012, 18.00 Uhr
ZDF.reportage
Arm trotz Rente
Niedriglöhne und die Folgen
Film von Nicola Graef und Eva Fouquet
35 Jahre lang hat Helga Z. in die Rentenkasse eingezahlt. Heute,
als Rentnerin, muss sie von 466 Euro im Monat leben. Helga Z. war
als Bürokauffrau fest angestellt und führte freiberuflich einen
Kleiderladen. "Damals hat mir der Rentenberater gesagt, ich würde
1400 Mark bekommen, davon kann ja leider nicht mehr die Rede sein.
Ich muss dazuverdienen." Die rüstige 71-jährige Rentnerin ist sich
für nichts zu schade, führt Hunde spazieren und ist stets auf der
Suche nach neuen Jobs. Helga Z. wohnt in Worpswede, einen
Katzensprung von Hamburg entfernt. "Schon meine beste Freundin in der
Stadt zu besuchen, ist immer ein Problem. Das geht nur, wenn sie mich
einlädt und mir die Fahrtkosten bezahlt." Auch ihre Wohnung kann sich
die Rentnerin nicht mehr leisten. Ausziehen möchte sie nicht, und so
wird im Oktober eine Freundin mit einziehen.
So wie Helga Z. geht es vielen Rentnern in Deutschland, Tendenz
steigend. Von der Rückkehr der Altersarmut ist die Rede, von der
Notwendigkeit, die Rente durch Jobs aufzustocken. Noch vor wenigen
Jahren konnte sich das kaum einer vorstellen. Betrachtet man aber den
demoskopischen Wandel, so wird es in den kommenden Jahrzehnten noch
härter werden.
Arbeiten, in die Rentenkasse einzahlen und dennoch nicht davon
leben können, das betrifft all jene, die im Niedriglohnsektor
arbeiten, darunter viele Friseure. Heike L. ist Friseurmeisterin und
leitet einen Salon in Brandenburg an der Havel. Ihr Nettoverdienst
pro Monat: zirka 1000 Euro. Ihre 24-jährige Tochter ist
Industriemechanikerin und verdient das Doppelte. "Das Friseurhandwerk
ist einfach meine Leidenschaft. Ich glaube, ansonsten würde ich den
Beruf schon lange nicht mehr ausüben. Der Verdienst ist einfach zu
schlecht." Die Kleidung für ihre beiden kleinen Söhne kauft Heike L.
ausschließlich in Second-Hand-Läden.
Die "ZDF.reportage" begleitet Menschen wie Helga Z., die immer
eingezahlt haben und heute dennoch ohne staatliche Hilfe oder
zusätzliche Jobs kaum überleben können. Eine Reportage über ein
drängendes gesellschaftliches Problem, denn auf viele Berufstätige
aus dem heutigen Niedriglohnsektor könnte im Alter ein großes
finanzielles Problem zukommen.
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