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"Holz macht stolz!", ruft der Architekt Van Bo Le-Mentzel und hält
vier kleine zugesägte Baumarkt-Bretter in die Höhe. Er leitet einen
Workshop, in dem der "Berliner Hocker" gebaut werden soll, ein Stück
aus seiner Serie "Hartz-IV-Möbel". Zehn Schrauben, zehn Minuten Zeit
und zehn Euro Material - fertig ist das Allzweck-Möbelstück. 60
stolze Kursteilnehmer gehen mit einem selbstgebauten Hocker nach
Hause.
Do-it-yourself, neudeutsch: DIY, hat Konjunktur. Überall wird
gebohrt, geschraubt und gedübelt. Früher gab es eher Mitleid fürs
Selbstgemachte, heute erntet man Bewunderung, frei nach dem Motto:
Ich baue, also bin ich.
Das Besondere an der neuen homemade-Bewegung: Die meisten der neuen
Selbermacher sind weiblich. Das haben auch die großen Baumarkt-Ketten
erkannt: Bis zu 300 Frauen kommen zur "Women's Night" in einen
Berliner Baumarkt, wo männliche Experten der weiblichen Kundschaft
zwischen Plausch und Prosecco zeigen, wo der Hammer hängt. "Ran an
die Wand!" - das gilt längst nicht mehr nur für die Herren der
Schöpfung. Der Baumarkt als No-Go-Area für Frauen - das ist längst
Vergangenheit.
Auch jenseits der großen Baumärkte und kleinen Bastelkeller driftet
unser Leben längst in Richtung Selbermachen. Der Charme des
Selbstproduzierens hat sich zu einer weltweiten Bewegung
ausgewachsen, das Internet hat die Gemeinde der Selbermacher
vernetzt: Auf Online-Marktplätzen wie DaWanda.com oder etsy.com
kaufen und verkaufen inzwischen Millionen User in aller Welt ihr
Selbstgemachtes: Schmuck, Mode, Möbel, Spielzeug und Unikate aller
Art. Die junge Gegenbewegung zur anonymen Massenproduktion, zu den
austauschbaren Waren der großen Möbelhäuser und Modemarken ist eine
Wachstumsbranche.
Für die "ZDF.reportage" ist Ulli Rothaus unterwegs in der Welt der
Akkuschrauber und Stichsägen und begleitet mutige und verzweifelte
Heimwerker auf ihrem Weg von der Fliesenstraße des Baumarkts bis an
die heimische Badezimmerwand. Die Reportage stöbert auf virtuellen
Marktplätzen und besucht die Menschen, die hinter den
Internet-Angeboten stecken und ihre "Berufung" im Selbermachen
gefunden haben.
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