(ots) -
"Hellseherin" Blanche und ihr Freund George machen sich im Auftrag
einer älteren, betuchten Dame auf die Suche nach deren verschollenem
Neffen - ihrem einzigen Erben. Der verdient sein Geld mit dubiosen
Geschäften und versucht alles, um die beiden schleunigst wieder
loszuwerden. Alfred Hitchcocks 53. und letzter Film "Familiengrab"
ist ein subtiles kleines Wunderwerk, das kriminalistische Spannung
und treffsichere, geistreiche Pointen unterhaltsam miteinander
verbindet.
"Familiengrab" führt schicksalhaft zwei kriminalistische Paare, das
eine chaotisch-sympathisch, das andere skrupellos-gewalttätig,
allmählich, aber unausweichlich zusammen: Pseudo-Hellseherin Blanche
(Barbara Harris) und ihr Freund und Taxifahrer George (Bruce Dern)
wittern die Chance ihres Lebens, als eine wohlhabende, ältere Dame
mit der Bitte an sie herantritt, nach ihrem verschollenem Neffen zu
suchen. Diesem will sie ihr gesamtes Vermögen vermachen und lockt bei
Auffinden des Unbekannten mit einer Belohnung in Höhe von 10 000
Dollar. Doch die Suche nach dem verschollenen Erben gestaltet sich
schwieriger, als erwartet: Dieser hat als "Adam Adamson" (William
Devane) eine falsche Identität angenommen und nutzt seine
hochkarätige Stellung als seriöser Juwelier, um gemeinsam mit
Komplizin Fran (Karen Black) gut situierte Geschäftsleute zu
entführen und um Lösegeld in Form von wertvollen Brillanten zu
erpressen. Ihre Bemühungen, Adamsons zwielichtige Vergangenheit
aufzudecken, führen Blanche und George immer näher an dessen dubiose
Geschäfte, sodass dieser das junge "Detektivpaar" schnellstmöglich
aus dem Weg räumen will.
Ungemein humorvoll und gleichzeitig bitterböse gestaltet sich
Hitchcocks letzter Film am Ende einer über 50-jährigen
Schaffensphase. "Familiengrab" ist ein einziges durchtriebenes Spiel
der Identitäten - keine der Figuren im Film ist wirklich die, für die
sie sich ausgibt. Angedeutet wird dies bereits im Originaltitel des
Films ("Family Plot"), denn "Plot" bedeutet neben "Grab" oder
"Handlung" auch "Intrige" und verweist somit bereits auf die
Hauptthematik des Films. So sind die zwei Paare Blanche/George und
Fran/Adamson eins des anderen Spiegelbild: Beide bestehen aus einem
gerissenen Gauner und seinem ihm ergebenen Partner. Hitchcock, der
seine Schauspieler für gewöhnlich an der kurzen Leine hielt, ließ
seinen Darstellern diesmal die Freiheit zur Improvisation. Die
Spielfreude der Darsteller ist neben den geistreichen, pointierten
Dialogen und dem exzellenten Drehbuch von Ernst Lehmann wohl eine der
Hauptgründe für die Dynamik und Unverbrauchtheit des Films. Von
Kritikern begeistert aufgenommen, wurde "Familiengrab" zu einem
Kassenerfolg, niemand konnte ahnen, dass es der letzte Film des
"Master of Suspense" sein würde. Im März 1979 verlieh das "American
Film Institute" Hitchcock den "Life Achivement Award", doch kurz
darauf musste er die Arbeiten am geplanten Nachfolgeprojekt "The
Short Night" aus gesundheitlichen Gründen abbrechen.
Sendelänge 115 Minuten
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