(ots) -
"Ich weiß nicht, was ich tun soll. Sie sind zwar tapfer, aber sie
haben vom Kämpfen keine Ahnung." Abu Mohammed ist verzweifelt. Vor
einem halben Jahr ist er aus der syrischen Armee desertiert und will
jetzt einen bunt zusammengewürfelten Haufen Rebellen zur Front
führen. Keiner von ihnen ist soldatischen Drill gewohnt, kennt sich
mit Waffen aus oder ist mit militärischer Taktik vertraut. In Gruppen
laufen sie durch die Straßen von Aleppo und schießen blind auf
Häuserdächer. Gemeinsam sind ihnen die Wut auf das Assad-Regime und
ihre Entschlossenheit, Freiheit von der Diktatur zu erkämpfen.
Seit fast zwei Monaten ist die syrische Wirtschaftsmetropole Aleppo
Schauplatz blutiger Kämpfe zwischen den Regierungstruppen von Baschar
al-Assad und den Aufständischen. Zwei Offiziere führen die Rebellen
im Stadtteil Salahaddin an: der ehemalige Soldat Abu Mohammed und der
junge Abu Bakri. Vor der Revolution hat Abu Bakri
Wirtschafts-wissenschaften studiert, wollte heiraten und in Damaskus
leben. Jetzt bahnt er sich mit seinen Rebellen einen Weg durch die
Stadt. Überall auf den Dächern lauern Scharfschützen der
Regierungstruppen und schießen den Weg frei für Assads Panzer.
Die Kämpfe gehen bis tief in die Nacht. Nach Sonnenuntergang finden
die Rebellen Unterschlupf in den Häusern der Bewohner von Aleppo, die
sich noch zu Tausenden hinter Brettern und verhängten Fenstern
verschanzen. Morgens räumen die Rebellen alles wieder auf und putzen
die Wohnungen - auch deshalb, um den Rückhalt in der Bevölkerung
nicht zu verlieren.
Ihre größte Angst ist, dass extreme Islamisten die Revolution für
sich vereinnahmen könnten. Dann, so sagen sie, würde es eine neue
Revolution geben und einen neuen Krieg. Dem Reporter Jamie Doran ist
eine eindringliche Schilderung der Front von Aleppo gelungen. In den
Straßen des Zentrums der Stadt zeigt sich das ganze Ausmaß der
syrischen Tragödie.
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