Brisanter Film über Soja-Anbau in Südamerika als Zentrum der industriellen Landwirtschaft
(pressrelations) -
Ein Weg in die Verwahrlosung
Stets trägt er deshalb eine geladene Pistole bei sich. Sieht er einen Lkw am Straßenrand parken, dessen Fahrer er nicht kennt, schießt er vorsichtshalber in die Luft. Bislang sind die Lastwagen immer weitergefahren. Mitten im Soja-Meer sind die Filmemacher aber auch auf Menschen gestoßen, die sich nicht vertreiben lassen wollen. Am Rande der Monokultur, wo schweres Gerät Chemikalien versprüht, bringen sie in ihren Gärten das Saatgut unverdrossen mit der Hand aus. Die Flucht vom Land in die Stadt stellt sich für sie nur als ein Weg in die Verwahrlosung dar.
In ihrem Film zeigen Borgfeld und Bernet, wie der Anbau von Soja, unterstützt von Gentechnologie [2] und Agrarchemie, Naturlandschaften veröden und damit auch soziale Zusammenhänge erodieren lässt. Als Lebensmittelzusatz und Futtermittel in der Massentierzucht extrem stark nachgefragt, steht Soja im Zentrum der global vernetzten, industriellen Landwirtschaft. Entsprechend kommt eine Bandbreite an beteiligten Akteuren zu Wort - neben Campesinos auch Soja-Großbauern, Gentechniker, Börsenspekulanten und Politiker.
"Raising Resistance" verzichtet dabei auf Thesen, der Film setzt schlicht aufs Zuhören. In eindringlichen Bildern, ruhigen Kamerafahrten und erhellenden Montagen zeigt er Menschen in einer Natur, die längst zum Schlachtfeld der ökonomischen Zwänge geworden ist. Gegen die Dominanz der Landbesitzer wehren sich hier Landbesetzer, die die Wiederaufforstung der Soja-Wüsten aus sozialer Verantwortung in Gang bringen wollen. Doch damit stoßen sie schnell an juristische Grenzen. Für die Großgrundbesitzer ist die Sache ganz einfach: "Das ist das Gesetz der Macht."
Blind durchs Bad im verseuchten Wasser
Der Film verdeutlicht, wer die sozialen Kosten für private Gewinne trägt. Er nennt ihre Namen und zeigt die Gesichter, "weil es nicht egal ist, wer die Unterliegenden im zivilisatorischen Wettbewerb sind", wie die Filmemacher sagen. Es sind Frauen wie die Kleinbäuerin Juana Gonzalez, deren Erdnuss-Ernte von den aggressiven Pflanzenschutzmitteln der Agrochemie innerlich zersetzt wird, oder der Junge aus ihrem Dorf, den ein Bad im verseuchten Bach das Augenlicht gekostet hat.
Sie sind Opfer eines neuen Rüstungswettlaufs, den Gentechnologen mit der Pflanzenwelt austragen. Auf neue Resistenzen reagieren sie mit immer aggressiveren Herbiziden, die das Unkraut unschädlich machen, wenn nicht gar ausrotten sollen. Doch zu Mord und Totschlag kommt es eben nicht nur im Pflanzenreich, sondern es fallen - bei einer Demonstration in der Hauptstadt Asunción - zum Ende des Films tatsächlich Schüsse.
Produziert wurde "Raising Resistance" von Oliver Stoltz, der 2006 für "Lost Children", seinen Dokumentarfilm über Kindersoldaten, den Deutschen Filmpreis gewann. Zu der Eskalation, die der Film beschreibt, kann es überall kommen, wo Menschen um ihr Überleben kämpfen. "Es geht um alles oder nichts", sagt ein Campesino. Das trifft nicht nur auf den globalen Süden zu: Auch für die Industriestaaten gilt Soja als überlebenswichtig - um Biokraftstoffe herzustellen oder als Futtermittel, um die Fleischpreise niedrig zu halten.
Aus "Raising Resistance" lässt sich also folgern, dass selbst ein harmloses Grillfest auf dem heimischen Zierrasen keine ganz friedliche Angelegenheit ist.
[1] http://www.spiegel.de/thema/soja/
[2] http://www.spiegel.de/thema/gentechnik/
Mehr im Internet
Offizielle Website zum Film
http://www.raising-resistance.com/
Deutscher Naturschutzring, Dachverband der deutschen Natur- und Umweltschutzverbände (DNR) e.V.
Präsident: Hubert Weinzierl
Marienstraße 19-20 in 10117 Berlin
Telefon: 030 / 678177570
Fax: 030 / 678177580
E-Mail: info [at] dnr.de