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Gute Geschäfte mit schlechtem Klima

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Gute Geschäfte mit schlechtem Klima

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NRO-Kampagne FACING FINANCE fordert Banken und Investoren angesichts milliardenschwerer Investitionen in TOP-Klimasünder auf, sich effektiv für Umwelt- und Klimaschutz zu engagieren.

(Berlin/Durban 1.2.2011) Anlässlich der vom 28. November bis 9. Dezember in Durban stattfindenden 17. UN-Klimakonferenz geraten auch deutsche Banken und Finanzdienstleister zunehmend in die Kritik. Laut einer aktuellen Recherche der NRO-Kampagne FACING FINANCE sind sie mit über 38 Mrd. Euro allein in die TOP-10 Klimasünder Europas investiert. Dies schließt Kreditvergaben und Anleihen seit 2006 für z.T. klimaschädliche Projekte in Höhe von mindestens 32,5 Mrd. Euro ein. Insgesamt strichen deutsche Investoren von den TOP-EU- Klimasündern im vergangenen Jahr Dividenden in Höhe von mindestens 500 Mio. Euro ein.

Die europäischen TOP-10 Klimasünder verursachten laut der Environmental Investment Organisation (EIO) im vergangenen Jahr CO2- Emissionen (direkt und indirekt) in Höhe von mehr als 1,1 Gigatonnen (1.100 Mrd. Tonnen). Die EIO-Rangliste führt ARCELORMITTAL aus den Niederlanden an, gefolgt von RWE und E.ON aus Deutschland. Viele der TOP-Klimasünder engagieren sich bereits auch im Bereich der Erneuerbaren Energien, sind aber nach wie vor auf fossile Brennstoffe fokussiert.

Die meisten großen deutschen Investoren und Finanzdienstleister haben mittlerweile erklärt sich vermehrt für den Umwelt- und Klimaschutz engagieren zu wollen oder sind Teil weltweiter freiwilliger Umweltinitiativen (z.B. Carbon Disclosure Project, die UN Principles for Responsible Investment / PRI oder die Äquator-Prinzipien). Dies hat allerdings bislang nicht zu signifikanten Senkungen der CO2-Emmissionen der Unternehmen geführt.

"Die Praxis zeigt, dass Banken leider nicht bereit sind, aus der Finanzierung von CO2-intensiven Geschäften auszusteigen," beklagt Thomas Küchenmeister von Facing Finance. Umweltschützer forderten Banken deshalb zuletzt immer wieder, alle von ihnen finanzierten Emissionen zu messen und verbindliche Reduktionsziele festzulegen.





FACING FINANCE beklagt auch den noch zu gering ausgeprägten Willen einiger Banken, in Erneuerbare Energien und effiziente Technologien zu investieren. Banken sollten, so FACING FINANCE, bei der Kreditvergabe für Unternehmen die Klimawirksamkeit von Geschäften berücksichtigen, um so die Entwicklung einer emissionsärmeren Weltwirtschaft mit zu beeinflussen. Bei Unternehmen könnten Finanzdienstleister zum Beispiel Einfluss nehmen, in welche Energieversorgung investiert werde, was aber offensichtlich nicht in ausreichendem Maße geschehe, so die NRO-Kampagne.

Die Deka Bank erklärte gegenüber FACING FINANCE derzeit Projekte im Bereich der Erneuerbaren Energien in einer Größenordnung von 350 Mio. Euro zu finanzieren und den Anteil von solchen Projekten am Neugeschäftsvolumen weiter erhöhen zu wollen. Aktuell unterhält Deka Geschäftsbeziehungen zu Europas TOP-10-Klimasündern im Umfang von gut 850 Mio. Euro.

Die HypoVereinsbank (HVB), als 100%-Tochter der UniCredit Group, gab gegenüber FACING FINANCE an, den Transformationsprozesses des Energiesektors aktiv begleiten zu wollen und dadurch positiven Einfluss auf Unternehmen und deren Klimawirksamkeit nehmen zu wollen. Das Finanzierungsportfolio im Bereich Erneuerbare Energien liegt laut HVB derzeit bei über 5,3 Mrd. Euro. Die "Assets under Green Management" der HypoVereinsbank beliefen sich 2010 auf 1,5 Mrd. Euro. Geschäftsbeziehungen der HVB zu den TOP-10-Klimasündern bestehen in einem Umfang von gut 1 Mrd. Euro.

Auch die Commerzbank betont, ihre Position als Impulsgeber im Klimaschutz weiter auszubauen zu wollen. Derzeit stellt die Bank dem Bereich Erneuerbare Energien ein Kreditvolumen in Höhe von 4,4 Mrd. Euro (davon rund 3 Mrd. in Projektfinanzierung) zur Verfügung und unterhält zugleich Geschäftsbeziehungen zu Europas TOP-10-Klimasündern im Umfang von gut 9,7 Mrd. Euro.

Die LBBW erwägt den Einbezug von ESG-Themen (Anwendung von anerkannten ökologischen und sozialen Standards) in die Investitionsrichtlinien und gibt an, dass bei Finanzierungsentscheidungen auch die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten eine wichtige Rolle spiele. Das Investment der LBBW in nachhaltige und ökologische Anlageprodukte entspricht einem Anteil von ca. 2 % (417,6 Mio. Euro) an der gesamten Vermögensverwaltung bei der LBBW Asset Management Investmentgesellschaft mbH.

Die Deutsche Bank-Tochter Deutsche Asset Management (DeAM) schließlich verwaltet nach eigenen Angaben rund 2,8 Milliarden Euro in an ESG-Kriterien ausgerichteten Anlageprodukten sowie Themenfonds im Bereich des Klimawandels, was ca. 0,5 Prozent des von der DeAM verwalteten Gesamtvermögens (550 Milliarden) ausmacht. Aktuell unterhält die Deutsche Bank Geschäftsbeziehungen zu Europas TOP-10-Klimasündern im Umfang von gut 16,7 Mrd. Euro.

"Unsere Zahlen belegen zwar ein gesteigertes Interesse der Banken an Erneuerbaren Energien, doch überwiegen die Investitionen in klimaschädliche Industrien nach wie vor deutlich. Das müssen Banken grundlegend ändern, so sie als "Klimaschützer" ernst genommen werden wollen," unterstreicht Thomas Küchenmeister.

Umweltexperten schätzen, dass die Begrenzung des Temperaturanstiegs auf weniger als zwei Grad Celsius bis 2050 allein in den kommenden fünf Jahren weltweit Investitionen in Höhe von 50 Milliarden Dollar (knapp 37 Milliarden Euro) in Klimaschutzmaßnahmen notwendig machen werde. Der Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen hat im vergangenen Jahr laut Internationaler Energieagentur (IEA) ein Rekordhoch erreicht. Einem neuen IEA Bericht zufolge ist der globale Kohlendioxid-Ausstoß 2010 um insgesamt 1,6 Gigatonnen gestiegen. Dies sei der bisher höchste Anstieg seit Beginn der Messungen. Kohlendioxid (C02) ist das bei weitem bedeutendste Treibhausgas, mit einem Anteil an den Emissionen in 2009 von rund 86 %.

Auch der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dirk Niebel, hatte zuletzt gefordert, dass Europa beim Klimaschutz entschlossen vorangehen müsse, gerade wenn viele Schwellenländer wie Indien, China und Brasilien, aber auch Industriestaaten wie die USA noch nicht zu umfassenderen Maßnahmen bereit seien.

Ein fact sheet zum Thema sowie weitere Informationen zum Thema sind der Studie Bankrolling Climate Change von banktrack und urgewald zu entnehmen. Im WEB: www.facing-finance.org und www.urgewald.de


Kontakt:
Thomas Küchenmeister, Koordinator FACING FINANCE, vor Ort in Durban (Südafrika) 0175-4964082


Die Kampagne Facing Finance wird Investoren sensibilisieren nicht in Unternehmen zu investieren, die von Menschenrechtsverletzungen, Umweltverschmutzung, Korruption und der Herstellung völkerrechtswidriger Waffen profitieren. Facing Finance ist ein Bündnis von: Solidaritätsdienst-international (SODI) e.V., urgewald e.V., EarthLink e.V., Netwerk Vlaanderen, CentrumCSR.PL und JA! Justicia Ambiental aus Mosambik.

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Datum: 30.11.2011 - 16:30 Uhr
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