DIW fordert grundlegende Reform der Riester-Rente: "Rendite oft so schlecht wie beim Sparstrumpf"
(pressrelations) -
Schlechte Rendite, hohe GebĂŒhren, intransparente Kalkulationsgrundlagen: FĂŒr die ersten zehn Jahre der Riester-Rente zieht das Deutsche Institut fĂŒr Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) eine enttĂ€uschende Bilanz. "Die Riester-Produkte haben sich seit ihrer EinfĂŒhrung zu Ungunsten der Sparer entwickelt", sagt die DIW-Expertin fĂŒr Verbraucherpolitik Kornelia Hagen. DafĂŒr seien insbesondere eine unzureichende Regulierung der Kalkulationsregeln und eine Verschlechterung der staatlichen Zertifizierung verantwortlich.
Bislang haben auch nur knapp 40 Prozent der Anspruchsberechtigten einen Riestervertrag abgeschlossen. Im unteren Einkommensbereich sind es sogar deutlich weniger. "Damit die Riester-Rente wirklich die Altersvorsorge fĂŒr alle ? so wie ihre Intention war ? verbessert, muss sie dringend grundlegend reformiert werden", so Hagens Fazit. Gemeinsam mit ihren Kollegen Johannes Geyer vom DIW Berlin und dem Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein (mittlerweile tĂ€tig beim Bund der Versicherten e.V.) hat sie die Riester-Rente umfassend untersucht und die Ergebnisse im neuen DIW Wochenbericht vorgestellt.
Eine Analyse der Inanspruchnahme der Riester-Rente fĂŒr die Jahre 2004 bis 2010 von Johannes Geyer zeigt, dass nicht nur Geringverdiener, sondern auch Personen mit niedrigem Bildungsabschluss und Migrationshintergrund seltener riestern als der Durchschnitt der Bevölkerung. So ist etwa der Anteil der Riester-Sparer unter westdeutschen MĂ€nnern mit Hochschulabschluss mit gut 35 Prozent mehr als doppelt so hoch wie in der Vergleichsgruppe mit niedrigem Bildungsabschluss. Sowohl bei MĂ€nnern als auch bei Frauen steigt auĂerdem die Wahrscheinlichkeit, einen Riestervertrag zu besitzen, mit der Zahl der Kinder.
Kornelia Hagen und Axel Kleinlein zeigen in einer Auswertung der QualitĂ€t der Riester-Produkte, dass diese systematisch zu Ungunsten der Verbraucher gestaltet sind. Das Gesamtfazit der Forscher fĂ€llt entsprechend ernĂŒchternd aus: "Riester-Sparer erzielen in vielen FĂ€llen nur so viel Rendite, als hĂ€tten sie ihr Kapital im Sparstrumpf gesammelt", sagt Hagen. Und viele 2011 vereinbarte RiestervertrĂ€ge, so berechneten die Forscher, fĂŒhren zu einer schlechteren Rendite als noch 2001 geschlossene VertrĂ€ge. "Eine 35-jĂ€hrige Frau, die heute einen Riestervertrag abschlieĂt, muss - wird die Rendite auf die garantierte Rentenleistung und ĂberschĂŒsse bezogen - mindestens 77 Jahre werden, um allein das herauszubekommen, was sie selbst eingezahlt und was sie an Zulagen vom Staat erhalten hat. Möchte diese Frau auch einen Inflationsausgleich und höhere Zinsen erwirtschaften, mĂŒsste sie sogar ihren 109. Geburtstag erleben", veranschaulicht Hagen.
FĂŒr die Verschlechterung gibt es diverse GrĂŒnde: Ein groĂes Problem sieht die DIW-Expertin etwa in der Kalkulation mit hohen Lebenserwartungen "Die Kalkulation mit unterschiedlichen Lebenserwartungen kann die Renditeleistung stark beeintrĂ€chtigen", so Hagen. "Dass der Staat fĂŒr Vorsorgeprodukte, die er fördert, keine allgemein verbindlichen Kalkulationsgrundlagen vorgibt, ist nicht nachzuvollziehen".
Angesichts der MĂ€ngel im System der Riester-Rente fordert das DIW Berlin grundlegende Strukturreformen. Vor allem sollten die Transparenz und Vergleichbarkeit erhöht werden, etwa durch standardisierte Kosteninformationen, eine inhaltlich bewertende Zertifizierung der Riester-Produkte und nachvollziehbaren Kalkulationsgrundlagen. AuĂerdem mĂŒssten Wechselkosten wegfallen.
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