Wie viel Strom verbraucht eine Regenwasseranlage wirklich und wie kann der Stromverbrauch reduziert werden?
(PresseBox) - Im Bereich der ökologischen Haustechnik ist die Regenwassernutzung ein heute selbstverständlicher Baustein. Der größte Teil der Regenwasseranlagen ist in Einfamilienhäusern installiert. Allein in Deutschland wird von einem Bestand von etwa 1,5 Millionen dieser Anlagen ausgegangen (Quelle: fbr - Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung e. V.). Er führt zu einer Trinkwasserersparnis von etwa 82,5 Mio. m³/Jahr, ein hervorragender Beitrag für unsere Umwelt.
Die tyÂpiÂsche ReÂgenÂwasÂserÂpumÂpe im EinÂfaÂmiÂliÂenÂhausÂsegÂment hat eine LeisÂtung zwiÂschen 700 und 1100 W. Bei einer durchÂschnittÂliÂchen FörÂderÂmenÂge von 55 m³/Jahr erÂgibt sich nach eiÂgeÂnen TestÂmesÂsunÂgen ein EnÂerÂgieÂverÂbrauch von 1,6 kWh/m³. In DeutschÂland werÂden pro Jahr ca. 132 GWh durch ReÂgenÂwasÂserÂpumÂpen verÂbraucht.
Hier geÂwinnt die euÂroÂpäiÂsche ÖkoÂdeÂsign-RichtÂliÂnie 2005/32/EG für enÂerÂgieÂbeÂtrieÂbeÂne ProÂdukÂte (EuP) an BeÂdeuÂtung. Auch die PumÂpen, die in ReÂgenÂwasÂserÂanÂlaÂgen VerÂwenÂdung finÂden, werÂden von der EuP unter den PunkÂten 8.6 "StandÂby-VerÂlusÂte" sowie 13.11 "ElekÂtriÂsche MoÂtoÂren" erÂfasst: Für fast alle MoÂtoÂren mit einer LeisÂtung zwiÂschen 0,75 und 375 kW werÂden strenÂge EfÂfiÂziÂenzÂnorÂmen festÂgeÂschrieÂben, die in den komÂmenÂden JahÂren umÂgeÂsetzt werÂden müsÂsen.
Im folÂgenÂden BeiÂtrag werÂden eiÂniÂge MögÂlichÂkeiÂten darÂgeÂstellt, wie der EnÂerÂgieÂverÂbrauch in kWh/m³ miÂniÂmiert werÂden kann.
StromÂeinÂspaÂrung durch anÂgeÂpassÂte PumpÂleisÂtung
GrundÂlaÂge der PumÂpenÂdiÂmenÂsioÂnieÂrung ist die ErÂmittÂlung des gröÂßÂten beÂnöÂtigÂten WasÂserÂstroms. Zur BeÂrechÂnung dieÂser SumÂmenÂförÂderÂmenÂge werÂden nach DIN 1988, Teil 3 die BeÂrechÂnungsÂdurchÂflüsÂse (QR) der einÂzelÂnen EntÂnahÂmeÂarÂmaÂtuÂren erÂmitÂtelt und adÂdiert: ?QR = QR1 + QR2 + QR3 + ...
Das VerÂhältÂnis aus geÂforÂderÂter SpitÂzenÂförÂderÂmenÂge der Pumpe (QSP) und SumÂmenÂförÂderÂmenÂge (?QR) der EntÂnahÂmeÂstelÂlen wird als GleichÂzeiÂtigÂkeitsÂfakÂtor (f) beÂzeichÂnet: f = QSP/?QR
Der GleichÂzeiÂtigÂkeitsÂfakÂtor kann umso kleiÂner geÂwählt werÂden, je gröÂßer die AnÂzahl der EntÂnahÂmeÂstelÂlen ist. Für WohnÂgeÂbäuÂde weist die DIN 1988 Teil 3 bei sehr kleiÂnen SumÂmenÂvoÂluÂmenÂströÂmen hohe GleichÂzeiÂtigÂkeiÂten aus. Nach Norm erÂgäÂbe sich somit ein SpitÂzenÂvoÂluÂmenÂstrom von 30 l/min im geÂwählÂten BeiÂspiel: [PDF] 1
VerÂwenÂdet werÂden somit bisÂlang zuÂmeist noch die tyÂpiÂschen KreiÂselÂpumÂpen mit einer LeisÂtungsÂaufÂnahÂme von etwa 900 Watt und einer FörÂderÂleisÂtung von 80 Liter/min. Sie verÂbrauÂchen aber zu 90 % der Zeit erÂhebÂlich mehr EnÂerÂgie als nötig. Ein BeiÂspiel: Der HauptÂverÂbrauÂcher einer ReÂgenÂwasÂserÂanÂlaÂge, ein WC, beÂnöÂtigt maÂxiÂmal 8 l/min zur BeÂfülÂlung. Eine KreiÂselÂpumÂpe mit 900 W LeisÂtung verÂsucht nun verÂgebÂlich, 80 l/min in den WC-KasÂten zu förÂdern. Dabei verÂpufÂfen bei jeder WC-BeÂnutÂzung bis zu 90 % der EnÂerÂgie. Das ist nur ein BeiÂspiel. Große VoÂluÂmenÂströÂme werÂden bei keiÂnem der VerÂbrauÂcher im EinÂfaÂmiÂliÂenÂhaus beÂnöÂtigt.
Mit einem GleichÂzeiÂtigÂkeitsÂfakÂtor von nur 0,2 jeÂdoch, also einem VoÂluÂmenÂstrom von 10 l/min, lieÂßen sich noch alle VerÂbrauÂcher im Haus komÂforÂtaÂbel verÂsorÂgen. Falls mehÂreÂre VerÂbrauÂcher gleichÂzeiÂtig lauÂfen, wie z.B. WaschÂmaÂschiÂne und WC, was reÂlaÂtiv selÂten ist, verÂlänÂgert sich leÂdigÂlich deren BeÂfüllÂzeit. Auch eine DruckÂspüÂlung, ein HochÂdruckÂreiÂniÂger oder ein einÂfaÂcher GarÂtenÂsprenÂger könÂnen mit dieÂsem VoÂluÂmenÂstrom noch ausÂreiÂchend verÂsorgt werÂden. Bei einem 20 m GarÂtenÂschlauch kann man immer noch 7 m weit mit etwa 8 l/min sprüÂhen. Für einen kleiÂnen GarÂten ist dies ausÂreiÂchend. Hier sind die EmpÂfehÂlunÂgen aus der DIN 1988, Teil 3 also scheinÂbar nicht mehr zeitÂgeÂmäß und traÂgen somit zur EnÂerÂgieÂverÂschwenÂdung bei, denn nach der ErÂfahÂrung sind in der PraÂxis deutÂlich kleiÂneÂre Werte ausÂreiÂchend.
Im Rahmen einer vom fbr veranlassten Befragung zum Stromverbrauch von Regenwasseranlagen, sind mehrere Anlagen von Kunden mit Strommessgeräten ausgestattet worden. Ermittelt wurde ein breites Spektrum von Standby-Leistung, Anlaufverhalten der verschiedenen Pumpen, unterschiedliche Energieverbräuche durch unterschiedliches Benutzerverhalten und angeschlossene Verbraucher. Die Ergebnisse der Messung über den tatsächlichen Verbrauch waren:
RAINMASTER-Eco Regenwasserzentrale mit 90 Watt Membranpumpe: ca. 0,4 kWh/m³
Mehrstufige Kreiselpumpe 800 Watt mit handelsüblichem Druck- und Strömungswächter: ca. 1,6 kWh/m³
Mit einer anÂgeÂpassÂten PumpÂleisÂtung von z.B. 10 l/min (LeisÂtungsÂaufÂnahÂme von 900 W auf 90 W reÂduÂziert) könÂnen hier ohne spürÂbaÂren KomÂfortÂverÂlust mit einÂfaÂchen MitÂteln erÂhebÂliÂche 75 % einÂgeÂspart werÂden.
StromÂeinÂspaÂrung durch VerÂminÂdeÂrung der StandÂby LeisÂtung
Die StandÂby LeisÂtung trägt zu einem nenÂnensÂwerÂten AnÂteil am StromÂverÂbrauch bei. Auch wenn diese LeisÂtungsÂaufÂnahÂme zuÂnächst sehr klein scheint, sumÂmiert sie sich, da sie ja stänÂdig anÂfällt, zu einer beÂachtÂliÂchen Menge. Bei einer opÂtiÂmal ausÂgeÂlegÂten Pumpe könnÂte diese EnÂerÂgie theoÂreÂtisch zur FörÂdeÂrung des geÂsamÂten ReÂgenÂwasÂsers ausÂreiÂchen. Hier eine BeiÂspielÂrechÂnung mit einer tyÂpiÂschen StandÂby LeisÂtung:
365 Tage x 24 h x 1,1Watt = 8,76 kWh => 0,16 kWh/m³
Die StandÂby LeisÂtung hängt insÂbeÂsonÂdeÂre von der verÂwenÂdeÂten SteueÂrung ab. Auch eine seÂpaÂraÂte FüllÂstandsÂanÂzeiÂge erÂhöht naÂtürÂlich die StandÂby LeisÂtung. Die folÂgenÂde TaÂbelÂle gibt einen ÜberÂblick über die StandÂby LeisÂtung verÂschieÂdeÂner ReÂgenÂwasÂserÂpumÂpen: [PDF] 2
Systeme zur weiteren Reduzierung der Standby Leistung werden auch in der Regenwassertechnik in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.
StromÂeinÂspaÂrung durch DrehÂzahlÂsteueÂrung
UnÂgeÂreÂgelÂte PumÂpen lauÂfen beÂdarfsÂunÂabÂhänÂgig mit maÂxiÂmaÂler LeisÂtung. Das ist mit einem mit VollÂgas fahÂrenÂden Auto verÂgleichÂbar, desÂsen GeÂschwinÂdigÂkeit über die BremÂse geÂreÂgelt wird. Eine weiÂteÂre MögÂlichÂkeit zur StromÂeinÂspaÂrung ist die ReÂgeÂlung der DrehÂzahl der Pumpe.
Um den tatÂsächÂliÂchen StromÂverÂbrauch zu verÂgleiÂchen, hat INÂTEÂWA zuÂnächst mehrÂstuÂfiÂge EinÂphaÂsen-KreiÂselÂpumÂpen mit DrehÂzahlÂsteueÂrung ausÂgeÂstatÂtet. Die LeisÂtungsÂaufÂnahÂmen bei verÂschieÂdeÂnen VoÂluÂmenÂströÂmen finÂden sich in der folÂgenÂden TaÂbelÂle: [PDF] 3
AufÂgrund des schlechÂten WirÂkungsÂgraÂdes dieÂser PumÂpen kann kaum Strom einÂgeÂspart werÂden. Es ist zu verÂmuÂten, dass aufÂgrund der höÂheÂren StandÂby LeisÂtung der SteueÂrung insÂgeÂsamt im norÂmaÂlen BeÂtrieb keine oder eine sehr geÂrinÂge EinÂspaÂrung zu erÂzieÂlen ist.
In einem weiÂteÂren VerÂsuch wurde die geÂsamÂte LeisÂtungsÂaufÂnahÂme über einen deÂfiÂnierÂten TestÂzeitÂraum und ZyÂklus mit einer DreiÂphaÂsen-KreiÂselÂpumÂpe mit und ohne DrehÂzahlÂsteueÂrung aufÂgeÂnomÂmen. Das ErÂgebÂnis sieht nun ganz anÂders aus: [PDF] 4
Die DrehÂzahlÂsteueÂrung reÂgelt die FörÂderÂleisÂtung in AbÂhänÂgigÂkeit vom tatÂsächÂliÂchen BeÂdarf. Da nur selÂten alle VerÂbrauÂcher gleichÂzeiÂtig lauÂfen, reÂduÂzieÂren sich die EnÂerÂgieÂkosÂten bei VerÂwenÂdung einer DreiÂphaÂsenÂpumÂpe um beÂmerÂkensÂwerÂte 40 %. ZuÂsätzÂlich senÂken ReÂgenÂwasÂserÂwerÂke mit DrehÂzahlÂsteueÂrung mit 45 dBA (bei der BeÂfülÂlung eines WC) geÂgenÂüber 65 dBA bei einem unÂgeÂreÂgelÂten ReÂgenÂwasÂserÂwerk die GeÂräuschÂbeÂlasÂtung auf bald 1/10 des urÂsprüngÂliÂchen WerÂtes. Durch die kleiÂneÂren DrehÂzahÂlen verÂrinÂgert sich zudem der VerÂschleiß in den elekÂtroÂniÂschen KomÂpoÂnenÂten und der Pumpe. Ihre LeÂbensÂdauÂer verÂlänÂgert sich so um 40 %.
StromÂeinÂspaÂrung durch den EinÂsatz von AusÂdehÂnungsÂgeÂfäÂßen
In einer theoÂreÂtiÂschen BeÂrechÂnung wurde die LeisÂtungsÂaufÂnahÂme einer ReÂgenÂwasÂserÂzenÂtraÂle (RMF-40) für ein MehrÂfaÂmiÂliÂenÂhaus mit 10 WC's soÂwohl mit als auch ohne 150 Liter AusÂdehÂnungsÂgeÂfäß beÂtrachÂtet. Durch das AusÂdehÂnungsÂgeÂfäß kann die SchaltÂhäuÂfigÂkeit der Pumpe/Tag von 60 auf etwa 7 erÂhebÂlich reÂduÂziert werÂden. Dies führt dazu, dass die Pumpe weÂniÂger AnÂlaufÂstrom verÂbraucht und in einem besÂseÂren BeÂtriebsÂbeÂreich arÂbeiÂten kann. Ohne AusÂdehÂnungsÂgeÂfäß wird bei jeder WC BeÂtäÂtiÂgung die Pumpe geÂstarÂtet. Die theoÂreÂtiÂschen ÜberÂleÂgunÂgen erÂgaÂben ein EinÂsparÂpoÂtenÂtiÂal von bis zu 50 %. In einer PraÂxisÂmesÂsung solÂlen diese Werte nun noch geÂnauÂer unÂterÂsucht werÂden.
Fazit
Bei der ReÂgenÂwasÂserÂnutÂzung beÂsteht ein erÂhebÂliÂches PoÂtenÂtiÂal Strom einÂzuÂspaÂren. Die derÂzeit meist verÂwenÂdeÂten mehrÂstuÂfiÂgen KreiÂselÂpumÂpen beÂnöÂtiÂgen ca. 1,6 kWh/m³. EiÂgeÂne UnÂterÂsuÂchunÂgen haben geÂzeigt, dass im BeÂreich EinÂfaÂmiÂliÂenÂhaus durch die VerÂwenÂdung von anÂgeÂpassÂten PumpÂleisÂtunÂgen ohne sonÂderÂliÂchen KomÂfortÂverÂlust etwa 75 % EinÂspaÂrung zu erÂzieÂlen ist. Dies führt zu einem VerÂbrauch von ca. 0,4 kWh/m³ geÂförÂderÂtem ReÂgenÂwasÂser. Die StandÂby LeisÂtung sollÂte ebenÂso beÂachÂtet werÂden. Bei den unÂterÂsuchÂten ProÂdukÂten trägt sie mit ca. 0,16 kWh/m³ zum VerÂbrauch bei. Bei gröÂßeÂren PumÂpen kann die DrehÂzahlÂsteueÂrung den VerÂbrauch um ca. 40% senÂken. Zu beÂachÂten ist, dass nur geÂreÂgelÂte DreiÂphaÂsenÂpumÂpen tatÂsächÂlich EnÂerÂgie einÂspaÂren. Zudem erÂhöht die DrehÂzahlÂreÂgeÂlung die LeÂbensÂdauÂer der PumÂpen und senkt die GeÂräuschÂbeÂlasÂtung ganz erÂhebÂlich. Eine weiÂteÂre MögÂlichÂkeit zur ReÂduÂzieÂrung ist der EinÂsatz von AusÂdehÂnungsÂgeÂfäÂßen von bis zu 50 %. Von den ca. 132 GWh, die in DeutschÂland pro Jahr durch ReÂgenÂwasÂserÂpumÂpen verÂbraucht werÂden, könnÂten also nach derÂzeiÂtiÂgem Stand über 50 %, also 66 GWh im BeÂstand einÂgeÂspart werÂden. Für NeuÂproÂdukÂte sind viele der oben geÂnannÂten MaßÂnahÂmen nach der euÂroÂpäiÂschen ÖkoÂdeÂsign-RichtÂliÂnie für enÂerÂgieÂbeÂtrieÂbeÂne ProÂdukÂte (EuP) vorÂgeÂschrieÂben.