(ots) - Herr Ottl, Sie wurden in München geboren, waren 15
Jahre beim FC Bayern - jetzt geht's nach Berlin. Können Sie sich
schon vorstellen, Ihre Heimat zu verlassen?
Andreas Ottl: Am Anfang hat's ein bisschen gedauert, das muss ich
zugeben. Aber jetzt freue ich mich auf diesen neuen Abschnitt. Ich
bin auf Wohnungssuche in Berlin, bald geht es richtig los. Man merkt,
dass sich etwas verändert. Die Vorfreude auf Hertha ist riesig.
Koffer packen und Servus, München?
Ottl: Nein, nein, so wird es nicht sein. Im Herzen bin ich weiter
Münchner. Und ich werde sicher in meiner Freizeit oft zurückkommen.
Hier habe ich mein ganzes bisheriges Leben verbracht.
Im Urlaub ging's für Sie in die USA. Dabei hätte sich zum
Abschluss ein Heimat-Urlaub angeboten...
Ottl: Ich bin ja jetzt noch einmal fast 14 Tage in München. Da
nutze ich jeden Tag, speziell bei dem Wetter, das wir die letzte
Woche hatten. Mit den Freunden in den Biergarten, an den
Gärtnerplatz, einfach München noch einmal genießen.
Wie werden Sie sich in Berlin zurechtfinden?
Ottl: Ich freue mich auf die Stadt. Berlin ist eine Weltstadt, ich
habe schon sehr viel mit Freunden und meinen zukünftigen Kollegen
sowie Markus Babbel gesprochen - er ist ja auch Münchner und hat von
Berlin geschwärmt.
Die Münchner Babbel, Lell, Ottl, dazu Thomas Kraft - es entsteht
eine kleine bayerische Kolonie in der Hauptstadt...
Ottl: Dass wir alle Erfahrungen bei Bayern gemacht haben, kann uns
sehr helfen. Bei Bayern lernt man früh, mit Druck umzugehen. Ich
hoffe, wir können das Bayern-Gen nach Berlin bringen. Und das
Bairisch-Reden verlernen wir auch nicht (lacht).
Wie war Ihr Abschied von der Säbener Straße?
Ottl: Da kommen die Emotionen hoch. Ich habe in 15 Jahren so viele
Freunde dort gewonnen, nicht nur auf dem Platz. Und im Abschied habe
ich gemerkt, dass ehrlicher und respektvoller Umgang mit den Menschen
sehr viel wert ist.
Sie haben sich nie öffentlich beschwert, waren immer loyal.
Ottl: Das wurde mir auch negativ ausgelegt. Aber ich wollte
ehrlich sein zu den Menschen und mit Leistung überzeugen. Mein
Abschied hat mir gezeigt, dass ich in den vielen Jahren hier sehr
viel richtig gemacht habe.
Was war Ihr schönstes Erlebnis bei Bayern?
Ottl: Schwierig. Mein erstes Tor 2005, das uns in Kaiserslautern
die Meisterschaft gesichert hat, war ein großer Moment. Oder die
Champions-League-Abende - absolute Highlights, Gänsehaut.
Welchen Moment würden Sie gerne streichen?
Ottl: Keinen. Sicher gab's schmerzhafte Niederlagen, sportlich wie
persönlich. Aber das gehört zu einer Entwicklung, einer Karriere.
Ihr lustigstes Erlebnis?
Ottl: Die Teamabende oder Kartenrunden. Da waren Geschichten
dabei, die zum Glück nie in der Zeitung gelandet sind...
Der schrägste Vogel, mit dem Sie zusammengespielt haben?
Ottl (ohne zu überlegen): Mehmet Scholl!
Der beste Fußballer?
Ottl: Ribéry und Robben sind schon große Klasse. Aber in die
gleiche Kategorie gehört Mehmet, der war nicht nur bei den Scherzen
überragend.
Ihr bester Trainer?
Ottl: Hermann Gerland. Er hat mir die Chance in der A-Jugend
gegeben, mich spielen lassen, mich auch mal zur Sau gemacht. Er war
immer offen und ehrlich, Hermann hat mir auch zu meiner Entscheidung
gratuliert.
Der beste Freund, den Sie gefunden haben?
Ottl: Ganz klar, Philipp Lahm.
Und zum Schluss: Die schrägste Geschichte, die über Sie erschienen
ist?
Ottl: "Die Beckhams von München!" So wurden meine Freundin
Veronika und ich einmal in der Bunte bezeichnet. Dabei ist uns so ein
Glamour-Leben total fremd - das wird auch in Berlin so bleiben.
Interview: Tobias Altschäffl
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