Luxus-Problem mit Studiengebühren

Finanzmittelvergabe versandet in universitärer Bürokratie

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(pressekat) - Von Gunnar Sohn

Hamburg/Berlin, www.ne-na.de - Studiengebühren füllen die Universitätskassen. Aber enge gesetzliche Vorschriften machen es kompliziert, all die Millionen auszugeben. Das berichtet die Wochenzeitung „Die Zeit“ http://images.zeit.de/text/2007/26/C-Hochschulfinanzen. „Ursache solcher Luxussorgen sind die Studiengebühren, die in Baden-Württemberg und in fünf anderen Bundesländern in diesem Jahr erstmals erhoben werden. Rund 18 Millionen Euro jährlich spülen sie allein in Heidelberg in die Kasse, das entspricht einem Plus des Uni-Budgets von rund zehn Prozent. So richtig klar wird die Bedeutung der Campusmaut jedoch erst, wenn man sich vor Augen führt, dass in einem normalen Hochschulhaushalt 90 von 100 Euro bereits ausgegeben sind, bevor sie eingenommen wurden, für Professorengehälter zum Beispiel, aber auch für Strom- oder Heizkosten. An der Uni Heidelberg heißen 18 Millionen zusätzlich: Die frei zur Verfügung stehenden Mittel haben sich quasi über Nacht verdoppelt. Das ist das vorläufige Ende jahrzehntelanger Mangelverwaltung“, so die Zeit.

Das Geld auszugeben erweise sich indes als gar nicht so einfach. „Um öffentlicher Kritik vorzubeugen, haben die Länder den Hochschulen bei der Verwendung enge gesetzliche Grenzen gesetzt. Zusätzlich hat sich jede Hochschule eine Gebührensatzung gegeben, die regelt, wofür das Studentengeld fließen darf. Wie überall gilt dabei auch an Baden-Württembergs Hochschulen, dass mit den Studiengebühren weder die Forschung noch die Grundausstattung finanziert werden darf, nach dem Motto: Die Studenten haben es bezahlt, die Studenten müssen davon profitieren. Würden die Gebühren morgen wieder abgeschafft, so die Grundregel, müssten die Hochschulen immer noch funktionieren. Auf keinen Fall sollen staatliche Zuwendungen ersetzt werden, sonst hätten die Gebühren ihre ohnehin nicht allzu große Akzeptanz bei den Studierenden vollends verspielt“, schreibt die Zeit.

Von einer generellen Geldschwemme könne allerdings nach Auffassung von Professorin Berit Sandberg keine Rede sein: „Die Unis schwimmen nicht im Geld. Im Gegenteil: Sie sind seit Jahren dramatisch unterfinanziert. Nun werden notdürftig die allergrößten Löcher gestopft. Die Studiengebühren decken ja nicht annähernd die Kosten einen Studienplatzes ab. Ein geisteswissenschaftliches Studium kostet im Schnitt 35.000 Euro, bei Natur- oder Ingenieurwissenschaften ist es ein Vielfaches“, erklärt die Expertin für Public Management und das deutsche Hochschulwesen im Interview mit dem Onlineportal Unicheck http://www.unicheck.de/news/Aktuelles/Interview-Sandberg.html. Hochschulen würden teilweise gar nicht so genau wissen, wo die Missstände liegen. „Von Defiziten erfahren viele Hochschulleitungen erst durch die Verfahren zur Akkreditierung der neuen Bachelor- und Master-Abschlüsse. Viele Hochschulen haben vor der Einführung der Gebühren gar nicht über das Thema gesprochen, geschweige denn die zusätzlichen Mittel genau einkalkuliert“, so Sander.



Haken und Ösen gebe es vor allem auf der Verwaltungsebene. Die klassische Haushaltsplanung sei ungeheuer bürokratisch. „Die Lehrstühle müssen anmelden, wie viele Mittel sie brauchen und bekommen diese dann zugewiesen, und zwar schön eingeteilt in Kategorien wie Personal- und Sachmittel. Oft werden die Ansätze ohne große Änderungen einfach nur fortgeschrieben, zumal allein die Personalausgaben 80 Prozent des Budgets auffressen“, betont Sander gegenüber Unicheck.

Die Studiengebühren sollten für die Verbesserung der Lehre eingesetzt werden, so stehe es beispielsweise in Niedersachsen sogar im Gesetz. „Letztendlich ist es den Unis freigestellt, was sie mit dem Geld machen. Teilweise verpufft es auch einfach. Studiengebühren an sich wirken sich nicht unmittelbar auf die Qualität der Lehre aus. Professoren sind Beamte auf Lebenszeit, ganz gleich, ob sie exzellent lehren oder nicht. Mobil sind vor allem die besten Köpfe. An den Unis hat gute Lehre bei Berufungen allerdings noch immer einen geringeren Stellenwert als Erfolg in der Forschung. Die Hochschulen können aber Leistungsanreize setzen: gute Lehre wird finanziell belohnt, indem man engagierten Dozenten mehr Mittel zur Verfügung stellt“, sagt die Berliner Hochschulexpertin.

„Studiengebühren einzuführen, ohne die Universitäten auf Leistung zu trimmen und sich von den trägen Verwaltungsabläufen zu verabschieden, erweist sich als Mogelpackung. Wir brauchen dringend einen Qualitätssprung in Forschung und Lehre, sonst können wir als postindustrielle Dienstleistungsgesellschaft unseren Wissensvorsprung gegenüber anderen Ländern nicht mehr aufrechterhalten. Die Produktivität der Wissensarbeit muss gesteigert werden“, fordert Dienstleistungsökonom Michael Müller, Geschäftsführer der auf IT-Services spezialisierten a&o-Gruppe http://www.ao-services.de. Auch der staatliche Geldsegen über die so genannte Exzellenzinitiative der Bundesregierung führe nicht weiter. „Mit 1,9 Milliarden Euro, die auf fünf Jahre verteilt an Spitzenuniversitäten vergeben werden, erreichen wir gar nichts. Allein der Jahresetat der renommierten Stanford University liegt bei 2,69 Milliarden Dollar“, weiß Müller. Weitere Berichte zum Thema finden Sie in der Onlineausgabe des Magazins NeueNachricht http://www.ne-na.de.




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Datum: 26.06.2007 - 16:16
Sprache: Deutsch
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Freigabedatum: 26.06.07

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