NABU: Niedrige Streuobst-Apfelernte 2010 Bundesweite Streuobsterhebung dringend erforderlich
(pressrelations) -
Berlin - Nach SchĂ€tzungen des NABU-Bundesfachausschusses Streuobst wird die deutsche Apfelernte im Streuobstbau in diesem Jahr unter 500.000 Tonnen liegen. Damit ist erneut eine Ernte deutlich unter dem Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2009 (800.000 Tonnen) und der Jahre 1980 bis 1994 (1,1 Millionen Tonnen) zu erwarten. Hauptursache fĂŒr den geringen Ertrag 2010 ist laut NABU die kalte Witterung wĂ€hrend der StreuobstblĂŒte im April. Ursachen fĂŒr den generellen RĂŒckgang sieht der NABU in der meist schwierigen ökonomischen Situation bei der Streuobstbewirtschaftung, daher mangelnder Pflege sowie dem allgemeinen, wenn auch verlangsamten RĂŒckgang der Streuobstwiesen.
"Die Apfelernte im Streuobstbau fĂ€llt 2010 nicht nur sehr gering, sondern auch lokal sehr unterschiedlich aus. Sie ist gekennzeichnet durch Nullertrag und ordentlichen ErtrĂ€gen auf kleinster FlĂ€che", sagte Markus Rösler, Sprecher des NABU-BFA Streuobst. In SĂŒddeutschland falle die Ernte noch ordentlich aus, aber im Westen und im Norden sei sie weit unterdurchschnittlich. In den neuen LĂ€ndern sowie Teilen Nordrhein-Westfalens ist laut Rösler teils weniger als ein Drittel der langjĂ€hrigen Durchschnittsernte im Streuobstbau zu erwarten.
Aufgrund der niedrigen Streuobst-Apfelernte ruft der NABU die Keltereien auf, besonders auf gute QualitĂ€t zu achten und möglichst erst Mitte September mit der allgemeinen Obstannahme zu beginnen: Da die Oechslewerte und damit die QualitĂ€t des Obstes im Verlauf des Herbstes ansteigen, sei es sinnvoll, wenn die Auszahlungspreise fĂŒr das Streuobst im Verlauf der Ernte ebenfalls ansteigen. "Betriebswirtschaftlich rentabel sind nach Kalkulationen des NABU 20 Euro je Doppelzentner", so Rösler.
Die letzte bundesweite Erhebung des Streuobstanbaus fand in der Bundesrepublik 1965 und auf dem Gebiet der neuen LĂ€nder 1938 statt.
Damit fehlen verlĂ€ssliche Daten fĂŒr einen Wirtschaftszweig mit QualitĂ€tsprodukten und Milliarden-UmsĂ€tzen und herausragender Bedeutung fĂŒr die biologische Vielfalt. Streuobstwiesen sind ein wichtiger Lebensraum fĂŒr seltene Tierarten und zugleich ein wirtschaftliches Standbein fĂŒr Obstbauern. Der NABU fordert daher von Bundesagrarministerin Aigner und Bundesumweltminister Röttgen, sich fĂŒr eine bundesweite FlĂ€chenerhebung des Streuobstanbaus einzusetzen. Nach SchĂ€tzungen des NABU gibt es in Deutschland noch etwas ĂŒber 300.000 Hektar StreuobstbestĂ€nde. Die Hauptobstart im Streuobstbau ist der Apfel mit ĂŒber 50 Prozent der Hochstamm-ObstbĂ€ume.
"Nach der 2009 erfolgten Auflösung der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) stehen noch weniger obstbaurelevante Daten zur VerfĂŒgung. Daher ist es fĂŒr uns umso wichtiger, abschĂ€tzen zu können, wie die stark schwankende Streuobsternte ausfĂ€llt", so Rösler. In ĂŒber 120 Regionen Deutschlands kooperieren Naturschutz, Keltereien und Landwirte in der so genannten Streuobst-Aufpreisvermarktung. Sie erzeugen auf der Basis fairer Preise und mit getrennter Erfassung und Vermarktung der 100-Prozent-Streuobstprodukte rund acht Millionen Liter GetrĂ€nke mit einem Marktwert von weit ĂŒber 20 Millionen Euro.
Die Verwertung der Ăpfel im Streuobstbau in Deutschland erfolgt regional sehr unterschiedlich. Bundesweit durchschnittlich rund 40 Prozent der StreuobstĂ€pfel werden durch Keltereien erfasst und zu GetrĂ€nken verarbeitet. Das ergibt rund 240 bis 300 Millionen Liter im Jahr. 30 bis 40 Prozent der Streuobst-Ăpfel gehen in die Eigenverwertung von Privathaushalten. Rund zehn Prozent werden als Tafelobst vermarktet, je fĂŒnf Prozent werden zu ObstbrĂ€nden beziehungsweise zu Sonderprodukten wie Mus und Dörrobst verarbeitet. UnabhĂ€ngig davon wird bei starken Ernten und niedrigen Preisen ein weiterer Anteil von teils ĂŒber zehn Prozent gar nicht abgeerntet.
FĂŒr RĂŒckfragen:
Dr. Markus Rösler, NABU-Bundesfachausschuss Streuobst, 0711/2063-962, Streuobst(at)web.de
Im Internet zu finden unter www.NABU.de, www.Streuobst.de