Zu wenig Rapsanbaufläche: Überkapazitäten bei Biodieselraffinerien in Deutschland vorprogrammiert

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(pressekat) - Frankfurt am Main/Neuss - "Weg vom Erdöl" ist eine häufig gestellte und populäre Forderung - nicht nur von Umweltschützern. Alternative Energien werden deshalb immer stärker mit staatlichen Mitteln gefördert und sollen mittelfristig eine ernstzunehmende Alternative zu herkömmlichen Kraftstoffen sein. Besonders Rapsöl spielt hier eine zentrale Rolle. Doch leider ist die Pflanze auch Anlass für grosse Steuergeldverschwendungen. Das zumindest sagt nach einem Bericht des Magazins NeueNachricht http://www.ne-na.de Tobias Janssen von der Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft Goldfish Holdings http://www.goldfish-holdings.com in Neuss.

Konkrete Beispiele hat Janssen auch parat: "Wir haben zum Beispiel eine Beteiligungsanfrage für eine Biodieselraffinerie in Ostdeutschland bekommen, die dort für 40 Millionen Euro gebaut werden soll", erklärt der Finanzexperte. Besonders die mögliche Auslastung der Raffinerie sei eine Farce. "Sie soll eine Jahreskapazität von 200.000 Tonnen haben. Bei einer Raffinerie würde das Rechenbeispiel aufgehen, mir liegen aber 6 Projekte dieser Art allein in Deutschland vor. Das ist viel zu viel, weil in Deutschland gar nicht so viel Anbaufläche für Raps vorgesehen ist", so Janssen weiter. Damit die Auslastung der Raffinerie auch gesichert sei, müsse für teures Geld Raps aus anderen Märkten hinzugekauft werden. "Der käme dann beispielsweise aus Kasachstan. Aufgrund unterschiedlicher Schienenmasse muss der Rohstoff in der Ukraine auf einen anderen Zug verlagert werden. Das kostet Unsummen", kritisiert Janssen.

Mit 28 Millionen Euro fördere die Staatsbank KfW http://www.kfw.de das Prestigeprojekt in Ostdeutschland, der Restbetrag komme aus Eigen- und Fremdkapital. Auslöser für den Aktionismus der KfW sei das Mengenziel, das der Gesetzgeber für das Biokraftstoff-Potential in Deutschland erreichen wollen. Es wurde von 0,8 Millionen Tonnen (2003) auf 11,3 Millionen Tonnen (2020) angehoben. "Und darauf stützen sich alle Businessrechungen", sagt Janssen: "Die Anlagen werden nach diesen groben Schätzungen geplant. Das sieht zwar auf dem Papier dann alles gut aus, geht aber an der Wirklichkeit vorbei".



Ein Beispiel dafür sei der Anstieg des Preises für eine Tonne Rapsöl. Sie kostete im Jahr 1994 noch 473 Euro, in diesem Jahr seien bereits 600 Euro pro Tonne fällig. "Das belegt eindeutig die Knappheitsverhältnisse in Deutschland. Es fehlt an Anbaufläche. Die KfW finanziert somit die Investitionsruinen von morgen", legt Janssen den Finger in die Wunde. "Man sollte das Geld nicht einfach nur rausschmeissen für erneuerbare Energien, sondern auch in die Planungen mit einbeziehen, dass der Rohstoff irgendwo herkommen muss. Ansonsten ist das ein Teufelskreis."

Kein privater Investor würde aus freien Stücken auch nur einen Cent für solche Unternehmungen ausgeben. Die sinnvolle Zielsetzung, von fossilen Energieträgern unabhängig zu werden, sollte man nach Auffassung von Janssen nicht durch kurzsichtige Staatseingriffe und die Missachtung globaler Marktverhältnisse konterkarieren.



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Datum: 07.07.2006 - 10:43
Sprache: Deutsch
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