PresseKat - Ex-BDI-Chef Henkel findet Talkshows "zum Kotzen"

Ex-BDI-Chef Henkel findet Talkshows "zum Kotzen"

ID: 17331

(firmenpresse) - Hamburg/Bonn, www.ne-na.de - Der ehemalige BDI-Präsident und Talkshow-Dauergast Hans-Olaf Henkel ist privat kein grosser Fan dieser Art von Fernsehen: "Ich kann die Sendungen ja selbst nicht mehr sehen. Das ist zum Kotzen ....Ich kann mich manchmal auch nicht mehr hören", sagte Henkel der ZEIT. Dennoch kommt er nicht an Auftritten in Talkshows vorbei: "Wenn Sie etwas in der Gesellschaft verankern wollen, dann müssen Sie es immerzu wiederholen, wie in der Werbung".

Henkel kündigt an, weiter vom Reformstau zu sprechen, vom Tarifkartell, von Lohnnebenkosten, die gesenkt werden sollten, vom aufgeblähten Sozialstaat und davon, dass hohe Steuern die Wirtschaft hemmen. "Wenn etwas richtig ist, dann wird es nicht dadurch falsch, dass Sie es wiederholen", betonte Henkel.

Auch ZEW-Chef Wolfgang Franz fordert, dass sich seine Kollegen "mehr als bisher in die öffentlichen Debatten einmischen." Das berichtet das Wirtschaftsmagazin NeueNachricht http://www.ne-na.de in der aktuellen Ausgabe. Ökonomen seien in den Massenmedien krass unterrepräsentiert, wie eine Untersuchung über die einflussreichsten Meinungsführer Deutschlands ergab ("Denker, Meinungsführer, Visionäre", Eichborn Verlag). Auf den Gipfeln der öffentlichen Wirksamkeit stehen Literaten wie Günter Grass, Marcel Reich-Ranicki oder Medienstars wie Alice Schwarzer. Unter den 100 Top-Denkern der Republik dominieren Schriftsteller und Kulturschaffende, es finden sich aber nur fünf Ökonomen. Naturwissenschaftler und Mediziner haben einen nur geringen Einfuss auf den geistigen Haushalt der Nation. "In einem Land, dessen Zukunft von Wirtschaftskraft und technischem Fortschritt abhängt, ist das alarmierend", so der Studienautor Max A. Höfer im Gespräch mit NeueNachricht.

Woran liegt das? Die deutschen Wirtschafswissenschaftler sehen ihre Hauptaufgabe in Forschung und Lehre, Politikberatung betreiben sie hinter verschlossenen Türen. "Erst seit kurzem drängen sich auch einige Ökonomen ins Rampenlicht, um einer breiten Öffentlichkeit ihre Einsichten kundzutun," hat der Würzburger Ökonom Professor Norbert Berthold beobachtet. Allerdings sind sie gegenüber den Politikern stark im Nachteil. "Was Ökonomen verkünden, ist in den Ohren der Allgemeinheit unverständlich und unsozial oder amoralisch." Gegen die griffigen Parolen der anderen Meinungsführer haben sie keine Chance. "Es ist schon auffällig, dass bis auf sehr wenige Ausnahmen die Volkswirtschaftslehre durch Banken- und Institutsvolkswirte nach aussen getragen wird. Universitätsvolkswirte tauchen dabei kaum auf und wenn, dann zumeist mit rührender Naivität," beschreibt Professor Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft die Lage. Mehr Mut zu Klarheit und Vereinfachung, wo es wissenschaftlich vertretbar ist, sei nötig. Die Wahrheit muss nicht kompliziert sein. "Wer gehört werden will, der muss sich an der Sprache der Zielgruppe orientieren." Nur dann können sich Ökonomen und Wissenschaftler aus der öffentlichen Meinungsblockade befreien und über wirtschaftliche Zusammenhänge aufklären.





Denn das Niveau der wirtschaftspolitischen Debatten ist hierzulande erschreckend niedrig: "Ein Land, in dem Nicht-Ökonomen wie Lafontaine und Geissler die Bestseller über ökonomische Probleme schreiben, ist krank," sagt der Münsteraner Ordinarius für Volkswirtschaft Ulrich van Suntum. "Statt ökonomischer Fachkompetenz regieren hierzulande ökonomisches Halbwissen und billige ad-hoc Argumente". Van Suntum nennt das "Christiansen Economics". Van Suntum und seinen Kollegen ist allerdings klar, dass sie nicht ganz unschuldig sind an ihrer Randlage in der Öffentlichkeit. "Wir haben ein Vermittlungsproblem, weil wir zu gefühlskalt rüberkommen", meint Professor Klaus Zimmermann vom DIW. "Ökonomen sind Vertreter einer traurigen Wissenschaft", ergänzt Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank Research. "Würden wir die Globalisierung negativ sehen", kämen wir öfters in die Medien", meint Professor Thomas Straubhaar vom Hamburger HWWA.

Da aber die Ökonomen die Vorteile von offenen Weltmärkten für die Verbraucher betonen und den globalen Wettbewerb insgesamt als positiven Motor für mehr Wohlstand und Fortschritt in der Welt sehen, widersprechen sie dem allgemeinen Negativismus. Noch schlimmer: Sie nehmen Politikern, Intellektuellen und auch der Bevölkerung den Sündenbock weg: die geldgierigen Kapitalisten und die ausländischen Billiglohnländer, die angeblich unsere Arbeitsplätze ruinieren. Stattdessen prangern sie " die überzogene Ansprüche" des deutschen Arbeitsnehmers bis zum Rentner an, und fordern "die Löhne müssen runter" sowie einen "strikten Sparkurs", wie im Manifest der 241 Wirtschaftsprofessoren, das der Hamburger HWWA-Chef Straubhaar initiiert hat. Das niedrige Niveau unserer wirtschaftspolitischen Auseinandersetzungen ist mittlerweile ein Standortnachteil, weil harte Reformen im medialen Trommelfeuer der "Solidaritätsappelle" und "Kapitalistenschelte" untergehen.

Aber nur weil sie unangenehme Wahrheiten sagen, ist die ökonomische Fachkompetenz nicht derart in den Medien unterrepräsentiert. "Ökonomen müssen sich intensiver mit realen Problemen auseinandersetzen", fordert der bekannte Wirtschaftsexperte Horst Siebert. "Sie müssen zunächst sprechen lernen," ergänzt DIW-Chef Zimmermann. Mit griffigen Argumenten sind ihnen Politiker und Kulturprominenz meilenweit voraus. Vorbilder gibt es immerhin. Unter den Top 100 Meinungsführern befinden sich fünf Ökonomen, die bei allen Unterschieden eines Gemeinsam haben: eine klare Sprache und klare Argumente. Einem von ihnen, Hans Olaf Henkel, war es wichtiger, "in der Bild-Zeitung einige Zeilen schreiben zu können als in einem Intelligenzblatt eine ganze Seite". Das hat sich Straubhaar bei seinem 241-Professoren-Appell zum Vorbild genommen. Die Ökonomen, so scheint es, sind aufgewacht.

Das Magazin NeueNachricht erscheint vierteljährlich. Das Einzelheft kostet 8,20 Euro. Bestellungen per Fax unter: 0228 - 620 44 75 oder E-Mail: baerbel.goddon(at)sohn.de. Redaktionen erhalten Besprechungsexemplare kostenlos.

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Datum: 23.11.2005 - 13:16 Uhr
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