(ots) - Qualitätssiegel trotz Tierquälerei - wie kann das
sein? stern TV hat am Mittwochabend erschütternde Bilder aus einem
Schweinestall in Süddeutschland gezeigt, die der Tierschützer
Friedrich Mülln mit versteckter Kamera aufgenommen hatte. Zu sehen
waren abgemagerte Tiere mit offenen Wunden, die Ohren angefressen,
die Gelenke geschwollen, im Stall war viel zu wenig Platz, überall
Dreck und dazwischen tote Tiere, die nicht entsorgt wurden. Doch -
trotz dieser klaren Verstöße gegen den Tierschutz - war der Hof bis
zu den Recherchen von der "Soko Tierschutz" und stern TV mit gleich
drei Gütesiegeln ausgezeichnet. Und: Im Kundenmagazin einer großen
Metzgereikette, die ihr Fleisch von dem Hof bezieht, präsentierte
sich der Landwirt als verantwortungsvoller Lieferant, dem das Wohl
der Tiere am Herzen liegt.
"Für uns ist das auch befremdlich", sagte live bei stern TV Robert
Römer als Vertreter des Unternehmens, das die QS-Prüfzeichen vergibt.
Eine Erklärung für die katastrophalen Zustände hatte er nicht. Auf
besagtem Betrieb habe 2014, 2015 und 2016 jährlich eine Kontrolle
stattgefunden. "Aber da gab es nie Hinweise darauf, dass solche
Zustände vorliegen." Im Gespräch mit Steffen Hallaschka versichert
der QS-Vertreter jedoch: "Wenn etwas auffällt, reagieren wir sofort."
So sei dem Betrieb aus Merklingen inzwischen auch das QS-Siegel
entzogen worden.
Und auch die Metzgerei und das zuständige Landratsamt, in dem
pikanterweise auch der Schweinemäster selbst angestellt ist, haben
reagiert, als stern TV sie mit den grauenvollen Bildern
konfrontierte: Die Metzgerei kündigte noch vor Ausstrahlung des
TV-Beitrags an, dass es "mit sofortiger Wirkung die
Geschäftsbeziehungen mit besagtem Landwirt eingestellt hat". Und das
Landratsamt Donau-Alb-Kreis räumte ein: "Bei den aktuellen Prüfungen
und Kontrollen wurde festgestellt, dass von den über 1.200
Mastschweinen rund 15 Prozent Erkrankungen und Verletzungen
aufwiesen." Inzwischen ermittelt sogar die Staatsanwaltschaft wegen
Tierquälerei gegen den Landwirt.
"Das ist ein absoluter Skandal", sagte die Gutachterin für
Tierschutz Diana Plange live bei stern TV. Dem Landwirt hätte sofort
die Betriebserlaubnis entzogen werden müssen. Denn: "So grobe
Tierschutzverstöße in einem so widerlichen Ausmaß habe ich noch nie
gesehen." Scharfe Kritik äußerte die Fachtierärztin bei stern TV
auch an der QS-Praxis: "Was ist für Verbraucher ein Siegel wert, wenn
dann solche Bilder auftauchen - das ist ein Unding", sagte Plange.
Auch der Gründer der "Soko Tierschutz" Friedrich Mülln, der seit den
1990er Jahren das Treiben in Mastbetrieben dokumentiert, äußerte sein
Unverständnis über das Maß an Verwahrlosung der Tiere. "Das sind
katastrophale Zustände. So etwas habe ich in 23 Jahren noch nicht
gesehen." Aber: "Wundern braucht man sich darüber nicht", so Mülln.
Denn: Dass der Landwirt selbst bei dem für ihn zuständigen
Landratsamt arbeiten würde "das hat schon ein arges Geschmäckle."
Pressekontakt:
Heike Foerster
foerster(at)isterntv.de
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