(ots) - Reporter ohne Grenzen (ROG) ist schockiert über die
Entführung und Folterung eines Journalisten im Südsudan. Drei Tage
nach seiner Verschleppung ließen seine Entführer Malek Bol, einen
Reporter der arabischsprachigen Tageszeitung Al-Maugif, schwer
verletzt auf einem Friedhof in der Hauptstadt Juba zurück.
"Journalisten gehören zu den Hauptleidtragenden der ständigen
Angriffe auf die Zivilgesellschaft im Südsudan. In den vergangenen
Monaten hat sich ihre Lage noch einmal verschlechtert", sagte
ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. "Die Regierung muss diese brutale
Entführung aufklären und die Verantwortlichen vor Gericht bringen."
Malek Bol hatte laut Radio Tamazuj in einem in sozialen Medien
veröffentlichten Artikel über die Wirtschaftskrise und Korruption im
Südsudan Präsident Salva Kiir und dessen Familie für Armut und Hunger
verantwortlich gemacht (http://t1p.de/esss). Der Chefredakteur seiner
Zeitung sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Bols Entführer hätten
ihm vorgeworfen, er habe Kiir in sozialen Medien beleidigt
(http://t1p.de/av93).
Bol war am vergangenen Freitag entführt worden. Am Montag fanden
Kollegen ihn auf dem Friedhof und berichteten anschließend, Bol sei
schwer verletzt gewesen und habe Spuren von Folter gezeigt
(http://t1p.de/sii1). Die Zeitung Sudan Tribune berichtete unter
Berufung auf einen Arztbericht, der Journalist habe gebrochene Rippen
infolge heftiger Schläge. Ein Kollege sagte der Zeitung, Bol sei in
sehr schlechter Verfassung gewesen und habe Verbrennungen gehabt
(http://t1p.de/ejrl).
SEIT ANFANG 2015 MINDESTENS ACHT JOURNALISTEN GETÖTET
Am 26. September war die Leiche des vier Monate zuvor entführten
freien Journalisten Isaac Vuni gefunden worden (http://t1p.de/ryqh).
Ein Zeuge berichtete, die Entführer hätten die Uniformen einer für
den Schutz des Präsidenten zuständigen Militäreinheit getragen
(http://t1p.de/ohui).
Seit Anfang 2015 sind im Südsudan mindestens acht Journalisten in
Verbindung mit ihrer journalistischen Arbeit umgebracht worden
(http://t1p.de/8668). Im August 2015 hatte Präsident Kiir
Journalisten sogar direkt mit dem Tod gedroht, falls sie sich gegen
ihr Land stellten (http://t1p.de/bjh7). Drei Tage später wurde der
Journalist Peter Moi vor seinem Büro in der Hauptstadt erschossen.
Vergangenen März entführten Unbekannte den Zeitungsjournalisten
Joseph Afandi, schlugen ihn und fügten ihm mit brennendem Kunststoff
schwere Verletzungen an den Beinen zu. Kurz zuvor hatte der
Geheimdienst ihn zwei Monate lang in Isolationshaft gehalten -
vermutlich, weil er den Umgang der Regierung mit dem Bürgerkrieg
kritisiert hatte (http://t1p.de/0tx6).
GEHEIMDIENST ZENSIERT ZEITUNGEN DIREKT IN DEN DRUCKEREIEN
Seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges Ende 2013 hat sich die Lage
der Medienschaffenden im Südsudan dramatisch verschlechtert
(http://t1p.de/zjo2). Viele Journalisten mussten vor der Gewalt
fliehen, Zeitungen wurden beschlagnahmt und Journalisten üben sich in
Selbstzensur. Die Informationsfreiheit wird auch unter dem Vorwand
der Aufrechterhaltung der Sicherheit stark eingeschränkt. Auf der
jährlichen Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen
rutschte der Südsudan zuletzt um 15 Plätze auf Platz 140 von 180
Staaten ab.
Seit dem Wiederaufflammen der Kämpfe Anfang Juli haben die
Repressalien gegen Journalisten und Medien noch einmal zugenommen
(http://t1p.de/1sq1). So wurde der bekannte Journalist Alfred Taban
vom Geheimdienst 13 Tage festgehalten, nachdem er in einem Artikel
Präsident Kiir und Vizepräsident Riek Machar für ihre Rolle bei der
jüngsten Eskalation der Gewalt kritisiert hatte (http://t1p.de/ryqh).
Journalisten werfen dem Geheimdienst vor, Zeitungen direkt in den
Druckereien zu zensieren. So wurden Mitarbeiter der Behörde vor Ort
eingesetzt, um Artikel mit Kritik am Präsident zu entfernen
(http://t1p.de/29x5). Im September schloss der Geheimdienst ohne
Begründung die Tageszeitung Nation Mirror (http://t1p.de/kxww).
Weitere Informationen über die Lage der Journalisten und Medien
dort finden Sie unter www.reporter-ohne-grenzen.de/südsudan.
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