(ots) - An dem Angriff auf das linksalternative Leipziger
Stadtviertel Connewitz am 11. Januar 2016 haben sich neben
Fußball-Hooligans auch neonazistische Kader, Mitglieder militanter
Gruppen und aktive Kampfsportler beteiligt. Das ergaben Recherchen
des Nachrichtenmagazins "MDR-Exakt", dem die Liste aller
festgesetzten 215 Randalierer vorliegt. Sie kamen überwiegend aus
Sachsen aber auch aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Berlin. Die
Polizei hatte die Gruppe Vermummter noch am Tatort gestellt.
Zu den in Gewahrsam Genommenen zählten mindestens zehn Personen,
die in den vergangenen Jahren für die NPD bzw. ihre
Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" (JN) aktiv waren, unter
anderem Istvan R. aus Leipzig und Felix F. aus Heidenau. Felix F.
machte in der NPD-Jugendorganisation Karriere und soll im Sommer 2015
auch an den ausländerfeindlichen Krawallen in seiner Heimatstadt
beteiligt gewesen sein.
Tom S., 2013 in den Berliner Landesvorstand der rechtsextremen
Partei "Die Rechte" gewählt, wurde ebenfalls in Connewitz gestellt
sowie Tim W., ein weiterer bekannter Berliner Neonazi. Beide Männer
gehörten zum Führungszirkel der im März verbotenen
Neonaziorganisation "Weisse Wölfe Terrorcrew", wie aus der
Verbotsverfügung des Bundesinnenministers hervorgeht.
Auf der Beschuldigtenliste finden sich auch ein Führungsmitglied
der 2001 verbotenen "Skinheads Sächsische Schweiz" sowie mehrere
Männer aus dem Umfeld der damals für ihre Angriffe auf Andersdenkende
berüchtigten Schlägertruppe. Der Dresdner Rico K., ebenfalls in
Connewitz dabei, sitzt seit dem Frühjahr wegen Terrorismusverdacht in
Untersuchungshaft. Ihn verdächtigt die Bundesanwaltschaft, an
Anschlägen der "Gruppe Freital" auf Ausländer und Linke in Freital
und Umgebung beteiligt gewesen zu sein.
Auch eine seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtete
Kameradschaft aus Dresden schloss sich nach "Exakt"-Recherchen den
Randalierern in Connewitz an. Einer der Beteiligten wurde erst
kürzlich zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er im Juli 2015 bei den
ausländerfeindlichen Ausschreitungen vor der Dresdner Zeltstadt einen
Polizisten gegen ein fahrendes Auto geschubst hatte.
Neben Kampfsportlern aus Thüringen und Dresden identifizierte die
Polizei in Connewitz auch drei Aktive des Eilenburger "Imperium Fight
Team". Gegen ihren Auftritt bei einer Kampfsportnacht in Leipzig
hatten am Sonnabend rund 1000 Menschen demonstriert.
Der Hooliganismus-Forscher Robert Claus von der Universität
Hannover analysiert die Szene seit Jahren und sieht in dem Angriff
eine neue Qualität: "Also, der 11. Januar hat vor allem gezeigt, wie
etabliert die Netzwerke sind aus Mitgliedern rechtsextremer Parteien
und Kameradschaften, bis hin in die Fußballfanszene ... Das zeigt,
wie man sich punktuell zusammenfindet, gegen einen gemeinsamen Feind
vorgeht und sich in Gewalt auslebt."
Bei dem schweren Angriff, der zeitgleich zur Legida-Demonstration
in der Innenstadt erfolgte, wurden mehr als 20 Geschäfte und Kneipen
beschädigt. Eine Wohnung brannte aus. Fünf Polizisten wurden
verletzt.
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