PresseKat - Kobane: Stadt voller Trümmer und Blindgänger / Aktueller Bericht von Handicap International

Kobane: Stadt voller Trümmer und Blindgänger / Aktueller Bericht von Handicap International

ID: 1216769

(ots) - Zwei Wochen nach einer Studie über die Auswirkung
von explosiven Waffen in Syrien veröffentlicht Handicap International
einen Bericht über die alarmierende Kontaminierung Kobanes mit
Blindgängern. Vier Monate dauerten die Bodenkämpfe, dazu kamen
Luftangriffe durch die Koalition unter Führung der USA. Dabei wurden
fast 80 Prozent aller Gebäude zerstört, außerdem blieben
durchschnittlich 10 Munitionsteile pro Quadratmeter im Stadtzentrum
zurück. Blindgänger und Sprengfallen (Booby Traps) gefährden die
Rückkehr der syrischen Bevölkerung nach Kobane und schränken die
humanitäre Hilfe ein. Handicap International startet Risikoaufklärung
und Räumungsmaßnahmen - ein Engagement, dass in dieser gefährlichen
Gegend dringend benötigt wird. Die Organisation fordert die
internationale Gemeinschaft außerdem auf, sich um das gefährliche
Erbe zu kümmern, das durch den Einsatz von explosiven Waffen in
bevölkerten Gebieten entsteht.

Im April führten Fachkräfte von Handicap International eine
Lagebewertung in Kobane durch. Das Team wurde direkt Zeuge der
Konsequenzen der brutalen Konflikte, die im Stadtzentrum und in den
südlichen und nördlichen Vierteln von Kobane stattfanden. Die
Fachkräfte entdeckten verteilt über die Stadt fast 1.000 Bombenkrater
- manche mit mehr als zehn Metern Durchmesser. Sie sind Resultate von
mehr als 700 Luftangriffen mit 250 bis 1.000 kg schweren
Fliegerbomben sowie Explosionen von 40 Autos mit Sprengfallen im
Stadtzentrum.

Der Stadtkern von Kobane ist extrem kontaminiert: Hier befinden
sich auf einem Quadratmeter durchschnittlich zehn Munitionsteile.
Nach langen und heftigen Kämpfen sind sowohl Blindgänger
industrieller als auch selbstgefertigter Munition unter den Trümmern
von eingestürzten und beschädigten Häusern vergraben. Dazu kommt in




den Vierteln, in denen die heftigsten Kämpfe tobten, eine erhebliche
Menge an Sprengfallen, darunter Sprengsätze, die in Leichen versteckt
werden (booby-trapped corpses).

"Was unsere Fachleute in Kobane gesehen haben, übertraf unsere
schlimmsten Albträume: Ein Großteil der Stadt ist extrem zerstört,
und die Kontaminierung mit nicht-explodierten Waffen aller Art hat
eine Dichte und Vielfalt erreicht, die es so noch kaum gab", sagte
Frédéric Maio, Programm-Manager für humanitäre Minenaktion bei
Handicap International. "Die Blindgänger und Sprengfallen stellen für
die Menschen, die aus Kobane geflüchtet sind und nun zurückkehren
wollen, eine tägliche Bedrohung dar. Sie machen es den Menschen
unmöglich, ihre Leben wieder aufzubauen und sie blockieren ganze
Gebiete. Außerdem halten sie humanitäre Organisationen davon ab, in
Sicherheit zu arbeiten und der betroffenen Bevölkerung die notwendige
Unterstützung bereitzustellen."

Es müssen deshalb umgehend Maßnahmen ergriffen werden, um die
Zivilbevölkerung vor den tödlichen und Behinderungen verursachenden
Folgen dieser Waffen zu schützen und den verletzten Menschen zu
helfen. Die Bevölkerung muss dringend über die Gefahren aufgeklärt
werden, auch diejenigen Menschen, die vermutlich bald zurückkehren
werden. Da sie verleitet sein könnten, die Blindgänger selbst zu
räumen, muss die professionelle Räumung der Waffen und Beseitigung
der Trümmer höchste Priorität haben.

Es ist außerdem an der Zeit, dass die internationale Gesellschaft
die erschreckende Auswirkung des Einsatzes von explosiven Waffen in
bevölkerten Gebieten wie Kobane erkennt und sich für eine
internationale politische Verpflichtung stark macht, um den Einsatz
von explosiven Waffen in bevölkerten Gebieten zu beenden.

Handicap International wird vor Ort Sensibilisierungsmaßnahmen zum
Schutz der Zivilbevölkerung durchführen, die in Kontakt mit
explosiven Kriegsresten und improvisierten Sprengsätzen kommen
könnten. Die Organisation wird den Gemeinschaften in und um Kobane
ihre volle Expertise in der Kartographierung, Räumung und der
Beseitigung von konventionellen Waffen und improvisierten
Sprengsätzen zur Verfügung stellen.

Hier können Sie den vollständigen Bericht zur Situation in Kobane
herunterladen: http://bit.ly/HI_Kobane

Handicap International Studie über Syrien

Am 12. Mai veröffentlichte Handicap International die Studie "Der
Einsatz von explosiven Waffen in Syrien: eine Zeitbombe im Entstehen"
Die Studie warnt vor der starken Kontaminierung mit Waffen in Syrien,
die 5,1 Millionen Menschen einschließlich 2 Millionen Kinder einem
hohen Risiko für Tod, Verletzung und Behinderung aussetzt. Die
Analyse von 77.645 Unfällen mit Waffen, die zwischen Dezember 2012
und März 2015 erhoben wurden, zeigte, dass explosive Waffen die am
häufigsten eingesetzten Waffen im Syrienkonflikt sind. 83,73% der
berichteten Unfälle sind auf explosive Waffen zurückzuführen. Die
Zivilbevölkerung ist großer Gefahr ausgesetzt, da 75% der Unfälle in
bevölkerten Gebieten stattfanden. Allein im Regierungsbezirk von
Damaskus wurden 5.253 Unfälle berichtet, das bedeutet
durchschnittlich sieben Unfälle am Tag. Hier können Sie die Studie
über Syrien herunterladen: http://bit.ly/HI_syrien_ew



Pressekontakt:
Dr. Eva Maria Fischer, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
089/54 76 06 13, 0176/99 28 41 35, www.handicap-international.de


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