(ots) - Für manche Menschen sieht ein Gesicht aus wie das
andere. Der Grund für diese sogenannte Gesichtsblindheit
(Prosopagnosie) ist eine Wahrnehmungsstörung im Gehirn, berichtet die
aktuelle Ausgabe von P. M. Fragen & Antworten. Das kann so weit
gehen, dass Betroffene auch vertraute Gesichter nicht zuordnen
können. Oft gelten sie daher als unhöfliche Sonderlinge, weil sie
grußlos an Bekannten vorübergehen. Verwirrend kann für sie sein, wenn
in einem Film verschiedene Rollen mit ähnlich aussehenden Gesichtern
oder Typen besetzt sind. Erkannt und benannt wurde das Phänomen 1947
von dem deutschen Neurologen Joachim Bodamer. Die Störung kann durch
Unfälle oder Krankheiten hervorgerufen werden, aber auch angeboren
sein. Welche Gene dafür verantwortlich sind, weiß man bis heute
nicht. Heilbar ist die Gesichtsblindheit bisher nicht.
Vor 15 Jahren waren weltweit nur rund ein Dutzend Fälle bekannt,
aber neueste Studien zeigen, dass die Gesichtsblindheit viel weiter
verbreitet ist, als bisher angenommen. Weltweit könnten bis zu 2,5
Prozent der Bevölkerung gesichtsblind sein, in Deutschland wären das
zwei Millionen Menschen. Zu diesem Ergebnis kommt sowohl die Studie
der Medizinerin Martina Grüter am Institut für Humanmedizin der
Universität Münster als auch eine Untersuchung von Ken Nakayama an
der Harvard University. Betroffene Kinder entwickeln meist unbewusst
erste Strategien, um sich zurechtzufinden: Sie identifizieren die
Menschen in ihrem Umfeld an konkreten Merkmalen wie etwa Haaransatz
oder Ohrenform, aber auch an Kleidungsgewohnheiten, Stimme oder
Bewegungsmustern. Je früher ihre Störung erkannt wird, desto
gezielter können sie unterstützt werden.
Die aktuelle Ausgabe von P.M. Fragen & Antworten ist ab sofort im
Handel erhältlich, umfasst 74 Seiten und kostet 3,90 Euro.
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