PresseKat - Warum es Deutschland wirtschaftlich so gut geht

Warum es Deutschland wirtschaftlich so gut geht

ID: 1153401

rum es Deutschland wirtschaftlich so gut geht


Der erstaunliche Wandel Deutschlands vom ?kranken Mann Europas? zu einer dynamischen und wettbewerbsstarken Volkswirtschaft wird oft auf eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik zur√ľckgef√ľhrt, vor allem auf die nach 2002 durchgef√ľhrten Hartz-Reformen. Einer neuen Studie zufolge, die jetzt im Journal of Economic Perspectives erschienen, ist dieser Erfolg jedoch vielmehr auf die Flexibilit√§t des deutschen Lohnfindungssystems zur√ľckzuf√ľhren, insbesondere auf die Tarifautonomie. Diese erlaubte eine Dezentralisierung des Lohnfindungsprozesses und hat dadurch zu einer dramatischen Verbesserung der Wettbewerbsf√§higkeit der Deutschen Volkswirtschaft beigetragen.

Die Forschungsergebnisse haben wichtige Implikationen daf√ľr, welche Lehren sich aus der deutschen Erfolgsgeschichte f√ľr die von der Wirtschaftskrise gezeichneten Volkswirtschaften S√ľdeuropas ziehen lassen. Professor Christian Dustmann, einer der Autoren der Studie, sagt: "Wir glauben nicht, dass der politische Prozess alleine - ohne die im Rahmen der Tarifautonomie existierenden Flexibilit√§tsspielr√§ume - in der Lage gewesen w√§re, die dramatische Dezentralisierung der Lohnfindung in Deutschland herbeizuf√ľhren, welche letztendlich f√ľr die Verbesserung der Wettbewerbsf√§higkeit entscheidend war. In anderen L√§ndern, wie zum Beispiel Italien und Frankreich, ist die Lohnfindung von weitaus zentralisierteren und gesetzlich st√§rker verankerten Arbeitsmarktinstitutionen gepr√§gt als in Deutschland. Reformen sind daher viel st√§rker vom politischen Prozess abh√§ngig. Ob diese L√§nder in absehbarer Zeit eine √§hnliche Verbesserung ihrer Wettbewerbsf√§higkeit wie Deutschland erreichen k√∂nnen, ist daher fraglich."

Die Studie "From Sick Man of Europe to Economic Superstar: Germany?s Resurgent Economy" der Wirtschaftsforscher Christian Dustmann (University College London), Bernd Fitzenberger (Universität Freiburg), Uta Schönberg (University College London) und Alexandra Spitz-Oener (Humboldt-Universität zu Berlin) umfasst eine detaillierte Analyse der Umstände, die zu dem viel beachteten Wandel der deutschen Volkswirtschaft beigetragen haben.

Die wichtigsten Ergebnisse:

- Die Hauptursache f√ľr Deutschlands wirtschaftlichen Erfolg is die besondere Struktur der industriellen Beziehungen, gepr√§gt durch die Tarifautonomie, in der Verdienste und Arbeitsbedingungen nicht zentral rechtlich geregelt sind, sondern vielmehr durch Vertr√§ge und Vereinbarungen zwischen Arbeitgeberverb√§nden und Gewerkschaften, bzw. zwischen Unternehmensleitungen und Betriebsr√§ten, festgelegt werden.
- Diese Flexibilit√§t wurde offensichtlich im Jahrzehnt nach der Wiedervereinigung, unter den extremen wirtschaftlichen Herausforderungen durch die Wiedervereinigung und die einsetztende Globalisierung, und erlaubte eine zunehmende Dezentralisierung der Lohnverhandlungen und im Ergebnis erhebliche Lohnzur√ľckhaltung.
- In der Folge fielen die Lohnst√ľckkosten in Deutschland fl√§chendeckend √ľber alle Industriezweige, was die Wettbewerbsf√§higkeit der deutschen Exportindustrie deutlich verbesserte.
- Die Hartz-Reformen (2002-2005) spielten keine wesentliche Rolle in der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie. Der Prozess der Dezentralisierung der Lohnsetzung und die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit hatte schon ein Jahrzehnt zuvor, etwa Mitte der 90er Jahre, begonnen.

Die Ergebnisse der Studie er√∂ffnen eine neue Sichtweise auf die Rolle der Wirtschaftspolitik in der viel beachteten wirtschaftliche Erholung Deutschlands. Als Lehre aus diesen Erfahrungen in Deutschland sollte den Autoren zufolge ein besonderes Augenmerk auf solche Arbeitsmarktreformen gelegt werden, die das System der industriellen Beziehungen daraufhin ver√§ndern, dass Lohnverhandlungen dezentral auf Firmenebene stattfinden, gleichzeitig aber Mitspracherechte f√ľr Arbeitnehmer (etwa √ľber Betriesbr√§te) gesichert sind.

Weitere Informationen

Die volle Studie ist erhältlich als CReAM Diskussionspapier No 06/14 unter dem Link http://www.cream-migration.org/publ_uploads/CDP_06_14.pdf


Kontakt

Professor Christian Dustmann, PhD
Department of Economics
University College London
email: c.dustmann@ucl.ac.uk
Handy: +44 (0) 7818 048 380

Prof. Dr. Alexandra Spitz-Oener
Fakult√§t f√ľr Wirtschaftswissenschaften
Humboldt-Universität zu Berlin
Tel.: 030 2093 1679
alexandra.spitz-oener@wiwi.hu-berlin.de

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Der erstaunliche Wandel Deutschlands vom ?kranken Mann Europas? zu einer dynamischen und wettbewerbsstarken Volkswirtschaft wird oft auf eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik zur√ľckgef√ľhrt, vor allem auf die nach 2002 durchgef√ľhrten Hartz-Reformen. Einer neuen Studie zufolge, die jetzt im Journal of Economic Perspectives erschienen, ist dieser Erfolg jedoch vielmehr auf die Flexibilit√§t des deutschen Lohnfindungssystems zur√ľckzuf√ľhren, insbesondere auf die Tarifautonomie. Diese erlaubte eine Dezentralisierung des Lohnfindungsprozesses und hat dadurch zu einer dramatischen Verbesserung der Wettbewerbsf√§higkeit der Deutschen Volkswirtschaft beigetragen.

Die Forschungsergebnisse haben wichtige Implikationen daf√ľr, welche Lehren sich aus der deutschen Erfolgsgeschichte f√ľr die von der Wirtschaftskrise gezeichneten Volkswirtschaften S√ľdeuropas ziehen lassen. Professor Christian Dustmann, einer der Autoren der Studie, sagt: "Wir glauben nicht, dass der politische Prozess alleine - ohne die im Rahmen der Tarifautonomie existierenden Flexibilit√§tsspielr√§ume - in der Lage gewesen w√§re, die dramatische Dezentralisierung der Lohnfindung in Deutschland herbeizuf√ľhren, welche letztendlich f√ľr die Verbesserung der Wettbewerbsf√§higkeit entscheidend war. In anderen L√§ndern, wie zum Beispiel Italien und Frankreich, ist die Lohnfindung von weitaus zentralisierteren und gesetzlich st√§rker verankerten Arbeitsmarktinstitutionen gepr√§gt als in Deutschland. Reformen sind daher viel st√§rker vom politischen Prozess abh√§ngig. Ob diese L√§nder in absehbarer Zeit eine √§hnliche Verbesserung ihrer Wettbewerbsf√§higkeit wie Deutschland erreichen k√∂nnen, ist daher fraglich."

Die Studie "From Sick Man of Europe to Economic Superstar: Germany?s Resurgent Economy" der Wirtschaftsforscher Christian Dustmann (University College London), Bernd Fitzenberger (Universität Freiburg), Uta Schönberg (University College London) und Alexandra Spitz-Oener (Humboldt-Universität zu Berlin) umfasst eine detaillierte Analyse der Umstände, die zu dem viel beachteten Wandel der deutschen Volkswirtschaft beigetragen haben.





Die wichtigsten Ergebnisse:

- Die Hauptursache f√ľr Deutschlands wirtschaftlichen Erfolg is die besondere Struktur der industriellen Beziehungen, gepr√§gt durch die Tarifautonomie, in der Verdienste und Arbeitsbedingungen nicht zentral rechtlich geregelt sind, sondern vielmehr durch Vertr√§ge und Vereinbarungen zwischen Arbeitgeberverb√§nden und Gewerkschaften, bzw. zwischen Unternehmensleitungen und Betriebsr√§ten, festgelegt werden.
- Diese Flexibilit√§t wurde offensichtlich im Jahrzehnt nach der Wiedervereinigung, unter den extremen wirtschaftlichen Herausforderungen durch die Wiedervereinigung und die einsetztende Globalisierung, und erlaubte eine zunehmende Dezentralisierung der Lohnverhandlungen und im Ergebnis erhebliche Lohnzur√ľckhaltung.
- In der Folge fielen die Lohnst√ľckkosten in Deutschland fl√§chendeckend √ľber alle Industriezweige, was die Wettbewerbsf√§higkeit der deutschen Exportindustrie deutlich verbesserte.
- Die Hartz-Reformen (2002-2005) spielten keine wesentliche Rolle in der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie. Der Prozess der Dezentralisierung der Lohnsetzung und die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit hatte schon ein Jahrzehnt zuvor, etwa Mitte der 90er Jahre, begonnen.

Die Ergebnisse der Studie er√∂ffnen eine neue Sichtweise auf die Rolle der Wirtschaftspolitik in der viel beachteten wirtschaftliche Erholung Deutschlands. Als Lehre aus diesen Erfahrungen in Deutschland sollte den Autoren zufolge ein besonderes Augenmerk auf solche Arbeitsmarktreformen gelegt werden, die das System der industriellen Beziehungen daraufhin ver√§ndern, dass Lohnverhandlungen dezentral auf Firmenebene stattfinden, gleichzeitig aber Mitspracherechte f√ľr Arbeitnehmer (etwa √ľber Betriesbr√§te) gesichert sind.

Weitere Informationen

Die volle Studie ist erhältlich als CReAM Diskussionspapier No 06/14 unter dem Link http://www.cream-migration.org/publ_uploads/CDP_06_14.pdf


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Professor Christian Dustmann, PhD
Department of Economics
University College London
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Prof. Dr. Alexandra Spitz-Oener
Fakult√§t f√ľr Wirtschaftswissenschaften
Humboldt-Universität zu Berlin
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Datum: 19.12.2014 - 15:50 Uhr
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