(PresseBox) - Als erstes Mitglied der Bundesregierung macht sich der Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dr. Gerd Müller, ein Bild von der Lage in der Zentralafrikanischen Republik (ZAR).
Minister Müller wird am Donnerstagabend in der Hauptstadt Bangui mit dem französischen Staatsminister für Entwicklung beim Außenminister, Pascal Canfin, dem EU-Kommissar für Entwicklung, Andris Piebalgs und Erik Solheim, dem Vorsitzenden des Development Assistance Committee der OECD, kurz DAC, zusammentreffen.
Die gemeinsame Reise ist Ergebnis der Gespräche zwischen Minister Müller und seinem französischen Amtskollegen Canfin anlässlich des deutsch-französischen Ministerrats am 19. Februar in Paris. Während des Treffens wurde eine gemeinsame Erklärung verabschiedet und Kooperationsvorhaben sowie die gemeinsame Reise in die ZAR vereinbart.
Minister Müller: "Die internationale Staatengemeinschaft muss gemeinsam und koordiniert agieren. Dieser gemeinsame Besuch zusammen mit meinem französischen Amtskollegen Canfin , EU-Kommissar Piebalgs und dem OECD-DAC-Vorsitzenden Solheim ist hierfür ein wichtiges Zeichen. Angesichts der eskalierenden Krise und der dramatischen Notsituation in der Zentralafrikanischen Republik muss Deutschland einen Beitrag leisten, die katastrophalen Lebensbedingungen für Millionen von Menschen in der ZAR und der Flüchtlinge in den Nachbarländern zu lindern. Humanitäre, Sicherheits- und stabilisierende Maßnahmen müssen Hand in Hand gehen. Ziviles Engagement im Sinne einer Übergangshilfe muss daher rein humanitäre Hilfe ergänzen und dazu beitragen, stabile gesellschaftliche Strukturen aufzubauen."
Minister Müller und die Delegation werden sich vor Ort ein Bild von der Lage machen und Hilfsmaßnahmen besprechen. Auf dem Programm stehen neben einem Treffen mit der Übergangspräsidentin Catherine Samba-Panza auch Gespräche mit Vertretern von Hilfsorganisationen. Dazu gehören das Welternährungsprogramm, das Internationale Rote Kreuz und Menschenrechtsorganisationen.
Die ZAR gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und durchlebt derzeit eine Krise enormen Ausmaßes. Die Vereinten Nationen sprechen von einer Notlage auf höchster Stufe. Die gesamte Bevölkerung, 4,6 Millionen Menschen, leidet unter Gewalt und Hunger. Der neuerliche Konflikt wurde verursacht durch einen Putsch einer überwiegend muslimischen Rebellenkoalition. Seitdem eskaliert die Gewalt zwischen Christen und Muslimen. Plünderungen und Morde sind an der Tagesordnung. Die Lage gilt außer Kontrolle. Laut Schätzungen sind rund 700.000 Menschen seit den Gewaltausbrüchen Anfang des Jahres vertrieben worden. Der Großteil der sozialen Infrastruktur ist zerstört. Neben der steigenden Zahl von Binnenflüchtlingen gibt es einen wachsenden Flüchtlingsstrom in die Nachbarsstaaten. Über 70.000 Flüchtlinge sind laut Schätzungen in den Tschad geflogen, über 60.000 Menschen in die Demokratische Republik Kongo, über 10.000 Menschen nach Kamerun.
Frankreich unterstützt derzeit eine Schutztruppe der Afrikanischen Union, die das Auseinanderfallen des Landes stoppen und die rivalisierenden Truppen entwaffnen soll.