ROG zu Anschlag in Kabul: Journalisten sind nirgends in Afghanistan sicher

ID: 1548538
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(ots) - Reporter ohne Grenzen (ROG) verurteilt den heutigen
Angriff auf den Fernsehsender Schamschad TV in der afghanischen
Hauptstadt Kabul auf das Schärfste.

"Dieser feige Angriff zielte direkt auf das Menschenrecht aller
afghanischen Bürger, sich frei zu informieren", sagte
ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. "Gewalt gegen Journalisten ist in
Afghanistan traurige, aber alltägliche Realität. Dieser Anschlag in
der Hauptstadt zeigt, dass Medienschaffende nirgends im Land sicher
sind. Die afghanische Regierung muss Journalisten endlich wirksam vor
der zunehmenden Gewalt schützen. Es darf den Extremisten nicht
gelingen, Afghanistans Medien zum Schweigen zu bringen."

Nach Polizeiangaben gab es gegen zehn Uhr Ortszeit zunächst eine
Explosion am Eingang des Fernsehsenders; dabei seien zwei Wachleute
getötet worden. Anschließend stürmten mehrere Angreifer das Gebäude
und schossen auf Mitarbeiter, von denen laut dem Sender 20 verletzt
wurden. Erst nach rund zwei Stunden bekamen die Sicherheitskräfte die
Lage unter Kontrolle. Der Sendebetrieb wurde zeitweise eingestellt.
Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den
Anschlag über ihre Agentur Amak für sich; die Taliban erklärten, sie
hätten nichts mit der Tat zu tun (http://ogy.de/4k21).

Schamschad TV ist ein 2004 gegründeter, paschtusprachiger
Privatsender. Sein Sitz war schon bei dem schweren Anschlag nahe der
deutschen Botschaft am 31. Mai beschädigt worden.

2017 SCHON ACHT MEDIENSCHAFFENDE GETÖTET

Afghanistan gehört zu den gefährlichsten Ländern weltweit für
Journalisten. Seit Jahresbeginn wurden dort mindestens acht
Medienschaffende in direktem Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit
getötet. Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht das Land auf
Platz 120 von 180 Staaten.

Am 12. Oktober beschossen Bewaffnete in der nordafghanischen Stadt


Baghlan den Direktor des lokalen Fernsehsenders Tanwir TV, Schir
Mohammad Jahesch, als er die Redaktion verließ. Jahesch wurde leicht
verletzt, sein Leibwächter getötet (http://ogy.de/ihog).

Mitte Mai starben vier Mitarbeiter der staatlichen
Rundfunkgesellschaft durch einen Anschlag auf ein Gebäude des Senders
in der ostafghanischen Provinzhauptstadt Dschalalabad: Abdollatif
Amiri, Mohammad Amir Chan Schinwari, Naghdi Ghani und Seinollah Chan
Mollachil (http://t1p.de/qp5r). Zu dem Angriff bekannte sich der IS.

Im Januar starben bei einem Doppelanschlag auf das Parlament in
Kabul ein Kameramann und eine Mitarbeiterin des parlamentarischen
Fernsehsenders. Zwei weitere Mitarbeiter des Senders und ein
Journalist der Wochenzeitung Kerad wurden verletzt. Die Taliban
übernahmen die Verantwortung für die Tat (http://t1p.de/yscu).

Bei dem Anschlag im Kabuler Diplomatenviertel am 31. Mai wurden
ebenfalls zwei Medienschaffende getötet: Asis Nowin, ein IT-Techniker
des afghanischen Nachrichtensenders Tolo News, und Mohammad Nasir,
ein Fahrer der britischen BBC. Die schwere Detonation verletzte zudem
vier BBC-Journalisten und zwei des afghanischen Fernsehsenders TV1
(http://t1p.de/pk8o). Neben dem Gebäude von Schamschad TV wurden auch
die Hauptsitze von TV1 und der Mediengruppe Killid schwer beschädigt
(http://ogy.de/4k21).

Auch bei Demonstrationen sind Journalisten immer wieder Gewalt
ausgesetzt. Diese geht sowohl von Demonstranten als auch von
Sicherheitskräften aus (http://ogy.de/hye0).

STEIGENDE ZAHL AN NOTHILFE-ANFRAGEN

2016 wurden in Afghanistan mindestens zehn Medienschaffende wegen
ihrer Arbeit getötet. ROG zählt die Taliban und den IS zu den
weltweit größten Feinden der Pressefreiheit (http://t1p.de/kd9g).

Die Zahl der Journalisten aus Afghanistan, die sich mit der Bitte
um Unterstützung an das ROG-Nothilfereferat wenden, war schon 2016
deutlich gestiegen. Momentan steht ROG mit 13 afghanischen
Journalisten in Kontakt.

Trotz der seit Jahren katastrophalen Sicherheitslage im Land
lehnten die deutschen Behörden 2014 den Asylantrag einer von ROG
unterstützten afghanischen Journalistin ab. Als Begründung gaben sie
an, sie könne ihren Beruf aufgeben, dann sei sie in ihrem Land
sicher. Am (morgigen) Mittwoch wird das Folgeverfahren vor dem
Verwaltungsgericht Cottbus verhandelt.

Für Journalistinnen ist die Lage in Afghanistan besonders
schwierig. Neben den Sicherheitsrisiken stehen sie unter starkem
sozialem Druck einer extrem patriarchalischen Gesellschaft sowie oft
von auch ihrer eigenen Familien. Anfang März 2017 hat Reporter ohne
Grenzen in Kabul ein Zentrum für den Schutz von Journalistinnen
eröffnet. Unter der Federführung der bekannten afghanischen
Journalistin Farida Neksad setzt es sich für die Sicherheit von
Frauen in Medienberufen ein (http://t1p.de/5muh). Von Mai bis August
war die afghanische Journalistin Shahllah Shaiq im Rahmen des
dreimonatigen Auszeit-Stipendiums zu Gast bei Reporter ohne Grenzen
in Berlin (http://ogy.de/488d).

Weitere Informationen zur Lage der Medienschaffenden in
Afghanistan finden Sie unter
www.reporter-ohne-grenzen.de/afghanistan.



Pressekontakt:
Reporter ohne Grenzen
Ulrike Gruska / Christoph Dreyer / Anne Renzenbrink
presse(at)reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de/presse
T: +49 (0)30 609 895 33-55
F: +49 (0)30 202 15 10-29

Original-Content von: Reporter ohne Grenzen e.V., übermittelt durch news aktuell



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presse, medien, menschenrechte, krieg, rechtsprechung, konflikte,



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Datum: 07.11.2017 - 13:43
Sprache: Deutsch
News-ID 1548538
Anzahl Zeichen: 6022
Kontakt-Informationen:
Firma: Reporter ohne Grenzen e.V.
Stadt: Berlin


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