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19.01.2012 09:23 - (djd). Lebensmittelverordnungen gibt es viele. Doch als aeltestes Lebensmittelgesetz der Welt hat das Reinheitsgebot bereits 496 Jahre auf dem Buckel und nichts von seiner Aktualitaet eingebuesst. Mehr noch: Der Erlass von Herzog Wilhelm IV. aus dem Jahr 1516 ist laengst ein Inbegriff fuer die Qualitaet deutscher Biere. Nur Wasser, Hopfen und Braugerste duerfen seither Bestandteil des erfrischenden Gerstensafts sein. Auch fast 500 Jahre nach Verkuendung folgen alle deutschen Brauer dem aeltesten Lebensmittelgesetz, dem am 23. April der Tag des deutschen Bieres gewidmet ist. "Nicht nur die wenigen natuerlichen Zutaten, auch die Qualitaet der Rohstoffe spielt beim Bierbrauen eine entscheidende Rolle", sagt Dr. Volker Kuhl, Geschaeftsfuehrer bei der Brauerei C. & A. Veltins. "Nur aus hochwertigen Rohstoffen laesst sich auch ein hochwertiges Bier herstellen."
Haarstraeubende Zusaetze
Vor dem Reinheitsgebot ging es an den Braukesseln haarstraeubend zu: Egal, ob es sich um den Zusatz von Kraeutern, von Russ fuer Dunkelbier oder sogar von Stechapfel und Fliegenpilz handelte - vor 1516 verwendeten die Menschen aus heutiger Sicht bei der Bierherstellung denkbar ungewoehnliche und zumeist auch wenig hilfreiche Zutaten. Im Laufe der Zeit waren sie auf die abenteuerlichsten Ideen gekommen, um ihrem Bier einen besonderen Geschmack zu verleihen oder um es haltbarer zu machen. So forderte der bayerische Herzog Wilhelm IV. schliesslich mit respektabler Weitsicht: Zum Brauen sollten nur wenige natuerliche Zutaten verwendet werden duerfen - die eher seltsamen und teilweise fragwuerdigen Mixturen sollten verboten werden.
Wenn die Lederhose an der Bank klebt: Qualitaetspruefung auf die andere Art
Deshalb nahm sich der bayerische Herzog dieser Sache an und verkuendete die Zutatenbeschraenkung fuer Bier am 23. April 1516 in Ingolstadt: In Deutschland gebrautes Bier darf nur aus Wasser, Hopfen und Braugerste entstehen. Und was ist mit Hefe, werden viele Biergeniesser fragen. Hefe war damals noch nicht bekannt, und so fehlte sie im Erlass des Herzogs. Hefesporen aus der Luft beeinflussten zu dieser Zeit eher zufaellig die Gaerung. Das war auch der Grund, weshalb nicht jeder Brauversuch erfolgreich war. Erst spaeter gelang es, Hefe zu zuechten und damit auch eine gleichbleibende Qualitaet des Biers sicherzustellen. uebrigens: Auch in den Zeiten vor dem Erlass des Reinheitsgebots war das Bier auf seine Qualitaet geprueft worden, wenngleich wenig wissenschaftlich fundiert. Die wirkungsvollste Methode im 15. und 16. Jahrhundert dazu war ganz einfach: Eine Bank wurde mit Bier bestrichen. Die amtlichen Pruefer in ihren ledernen Hosen setzten sich drauf und blieben drei Stunden lang still sitzen. Auf Kommando sprangen sie gleichzeitig auf. Blieb die Bank an der Hose kleben, war das Bier nicht zu beanstanden. Blieb die Bank jedoch stehen, hatte dies schwerwiegende Folgen fuer den Wirt oder Brauer.
Der Stolz der deutschen Brauer
Die Zeiten haben sich seither deutlich geaendert, doch das deutsche Reinheitsgebot ist noch heute gueltig. Deutsches Bier darf auch im dritten Jahrtausend nur vier Zutaten enthalten: Wasser, Malz, Hopfen und Hefe - keine Geschmacksverstaerker, keine Farbstoffe und keine Konservierungsstoffe. Reiner geht es nicht. Und so wird jedes Jahr am 23. April der Tag des deutschen Bieres gefeiert - der Tag, an dem der Grundstein fuer die heute aelteste Lebensmittelverordnung und fuer die Sicherstellung der Qualitaet deutscher Biere gelegt wurde. Mehr als 5.000 verschiedene Biere werden in derzeit ueber 1.300 deutschen Staetten gebraut. Veltins-Geschaeftsfuehrer Dr. Volker Kuhl: "Dass sie alle unterschiedlich schmecken, liegt an vielen verschiedenen Einflussfaktoren: an der Rezeptur natuerlich, am Brauwasser, an der Art, wie das Getreide gemaelzt wurde, und nicht zuletzt auch am Fingerspitzengefuehl des Braumeisters."
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