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09.12.2011 07:10 - (djd). Rueckenschmerzen kennt so gut wie jeder. Die meisten denken dabei sofort an Bandscheibenprobleme oder einen Hexenschuss. Doch nur die wenigsten wissen, dass auch rheumatische Erkrankungen hinter den Beschwerden stecken koennen – vor allem, wenn juengere Patienten betroffen sind. Entzuendlich-rheumatische Erkrankungen wie Morbus Bechterew treten oftmals bereits im Alter zwischen 16 und 40 Jahren auf. In Deutschland sind nach Schaetzungen rund 400.000 Menschen betroffen. Nur bei etwa einem Drittel ist die bislang unheilbare Krankheit erkannt. Zu den klassischen Symptomen gehoeren tief sitzende Rueckenschmerzen und eine krankheitstypische Morgensteifigkeit, vor allem im unteren Ruecken. Um zu verhindern, dass die Schmerzen immer schlimmer werden und Entzuendungen der Wirbelgelenke schliesslich zur vollstaendigen Versteifung fuehren, koennen moderne Medikamente und ein gezieltes Training wirksam sein. Alles ueber zeitgemaesse Behandlungskonzepte erfuhren unsere Leser am 1. Dezember 2011 von vier erfahrenen Spezialisten am Expertentelefon.
Am Telefon sassen fuer Sie:
- Prof. Dr. Juergen Braun
aerztlicher Direktor des Rheumazentrums Ruhrgebiet in Herne und Praesident der Deutschen Gesellschaft fuer Rheumatologie.
- Ludwig Hammel
Geschaeftsfuehrer der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew e. V., Schweinfurt. Vorstandsmitglied der Deutschen Rheuma Stiftung. Morbus-Bechterew-Patient.
- Prof. Dr. Herbert Kellner
Niedergelassener Facharzt fuer Innere Medizin, Rheumatologe und Gastroenterologe in Muenchen. aerztlicher Leiter der Abteilung Rheumatologie, Krankenhaus Neuwittelsbach. aerztlicher Berater der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew.
- Prof. Dr. Joachim Sieper
Leiter der Rheumatologie an der Charité Universitaetsmedizin, Campus Benjamin Franklin, Berlin.
Die genauen Ursachen von Morbus Bechterew, der auch als axiale Spondyloarthritis (AS) bezeichnet wird, sind bis heute nicht vollstaendig geklaert. „Wir gehen aber davon aus, dass genetische Ursachen in Verbindung mit einer Stoerung des Immunsystems vorliegen“, erlaeutert Prof. Dr. Juergen Braun. Mechanischer Stress und Rauchen koennten den Krankheitsverlauf zusaetzlich verschlechtern, so der aerztliche Direktor des Rheumazentrums Ruhrgebiet in Herne. Doch etliche Patienten wissen gar nicht, dass sie sich mit ihrem Verhalten schaden, denn nach den Erfahrungen des Praesidenten der Deutschen Gesellschaft fuer Rheumatologie vergehen durchschnittlich fuenf bis acht Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird.
Lieber gleich zum Spezialisten
Um eine gezielte Behandlung sicher zu stellen, sollten Betroffene selbst aktiv werden und einen Facharzt aufsuchen. „Insbesondere der internistische Rheumatologe ist heutzutage weitgehend fuer die oft anspruchsvolle medikamentoese Therapie verantwortlich“, erklaert der Muenchner Rheumatologe Prof. Dr. Herbert Kellner. Gut ausgebildete Spezialisten seien ueber die Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew (DVMB), die Deutsche Gesellschaft fuer Rheumatologie (DGRh) oder den Berufsverband der Rheumatologen (BDRh) zu finden. Eine umfassende Therapie sollte moeglichst alle Aspekte der Erkrankung beruecksichtigen: sowohl die Entzuendung als auch die Versteifung der Gelenke und die Knochenneubildung. Moegliche Begleiterkrankungen wie Schmerzen in Arm- und Beingelenken, eine Regenbogenhautentzuendung der Augen sowie chronisch entzuendliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa muessen ebenfalls behandelt werden, um dauerhafte gesundheitliche Schaeden zu minimieren.
Entzuendung effektiv unterdruecken
Standardmaessig werden entzuendungshemmende Medikamente aus der Gruppe der NSAR eingesetzt, doch reichen diese haeufig nicht aus oder muessen wegen Nebenwirkungen abgesetzt werden. Hier stellt die Behandlung mit TNF-alpha-Blockern wie beispielsweise Infliximab und Golimumab eine Alternative dar: „Dies sind die aktuell am staerksten wirksamen entzuendungshemmenden Stoffe. Sie sind bei Patienten mit hoher Krankheitsaktivitaet und entzuendungsbedingten Schmerzen, die trotz konventioneller Behandlung anhalten, zu empfehlen“, betont Prof. Braun. Auch Prof. Dr. Joachim Sieper setzt auf die modernen Biologika: „Sie hemmen einen speziellen Botenstoff, der bei der Entzuendung eine grosse Rolle spielt, das so genannte TNF-alpha.“ Dadurch erfolge eine sehr effektive Unterdrueckung und Behandlung der Entzuendung, so der Leiter der Rheumatologie an der Berliner Charité, und es werde eine deutliche Besserung der typischen Beschwerden wie Schmerzen und Steifigkeit erreicht.
Krankengymnastik besonders empfehlenswert
Begleitend ist eine gezielte Morbus-Bechterew-Krankengymnastik ratsam. „Die Erfahrung zeigt, dass man sich nach der Krankengymnastik deutlich besser fuehlt, da man wieder beweglicher ist“, betont Ludwig Hammel. Der Geschaeftsfuehrer der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew e. V. ist selbst Bechterew-Patient und empfiehlt Betroffenen, die Krankengymnastik nur wenig abgewinnen koennen, zusaetzlich eine Sportart zu betreiben, die ihnen wirklich Spass macht. Dies koenne Nordic Walking ebenso sein wie Radfahren, Volleyball oder Skilanglauf im Winter.
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